Nachhaltige Investition mit Fleisch am Knochen

Dass Bauern in der Sonntagspresse inserieren, kommt nicht alle Tage vor. Deshalb ist mir die Affiche in der NZZ am Sonntag unter dem Titel „Eine Aktie namens Lotti“ mit einem Hochlandrind auf hoher Weide sofort aufgefallen. Dahinter steckt die Firma Natur Konkret und ein ganzes Konzept. Geschäftsführer und Inhaber Guido Leutenegger ist kein eigentlicher Bauer. Der ehemalige Lehrer und Politiker kommt aus dem Naturschutz und war lange Geschäftsführer und Präsident der Pro Natura Thurgau. Leutenegger und seine acht Angestellten halten im Tessin unterdessen 500 Hochlandrinder, das ganze Jahr draussen. Diese beweiden dort Alp- und Gemeinschaftsweiden in 25 Gemeinden. Die ideal adaptierten Highlander sorgen für die Offenhaltung des Kulturlandes und  produzieren gleichzeitig Freilandfleisch. Für die Absatzförderung hat sich „Natur konkret“ etwas besonderes Einfallen lassen: Das im Inserat beworbene Kuhinvestment. Für 2500 Franken erhält man als „return on cow-investment“ zehn Jahre lang Fleisch im Wert von 350 Franken, also 250 Franken Kreditamortisation und 100 Franken Zins in Fleischform. Leutenegger ist zwar nicht der erste, der Tiere „verleast“. Andere tun dasselbe mit Kühen, zB. mit Käse-Zins oder mit Hühnern. Das Besondere hier: Hier werden nur Muttertiere verleast. Hochlandrinder werden 25 Jahre alt und das Investment garantiert damit für Langzeit-Identifikation. Der Investor erhält neben einem Namen auch die Nummer auf der Ohrmarke und bei allfälligem Konkurs der Firma stellt das Tier die Garantie dar. Die Kehrseite dieser Investitionsmodelle: Man hat neue Shareholders, die sich in den Betrieb einmischen. Zum Beispiel fragen sie sich, ob es „ihrer“ Kuh nicht schadet, wenn sie den ganzen Tessiner Bergwinter im freien Verbringen muss. Leutenegger hats abklären lassen: Eine Studie der Universität Zürich habe gezeigt, dass die ganzjährig weidenden Rinder höheres Wohlbefinden hätten als die teilzeitlich weidenden. (Bilder Ulrich Pfändler/Oekoinfo, Natur Konkret)
PS. Einen interessanten Bericht über Natur Konkret von meinem Kollegen und NZZ-Tessin-Korrespondenten Peter Jankovsky finden Sie hier.

4 Antworten to “Nachhaltige Investition mit Fleisch am Knochen”

  1. Robert E. Angst Says:

    Guter Bericht! Danke!
    Wenn man es genau nähme, dürfen eigentlich nur noch Bio-„Lottis“ auf Alpweiden gehalten werden!
    Die übrige Tierhaltung ist ja wirklich kaum mehr zu verantworten!

  2. tschudi Says:

    was muss ich unternehmen um eine oder mehrere aktien zu zeichnen, bzw zu kaufen?

  3. adriankrebs Says:

    Weitere Infos dazu gibt es auf der Homepage von Natur Konkret unter diesem Link: http://www.natur-konkret.ch/kuhinvestment/, ich wünsche Glück!

  4. Roberto Says:

    Robert Angst meint:
    Es freut mich, dass Guido Leutenegger nun auch noch anständig Schweine hält. Bravo!
    (Was „Menschen“ sonst mit diesen Tieren veranstalten ist ja wirklich unerträglich.)

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