Eine Milchkanne kann mehr als nur Bränte sein

Die Milchkanne ist in Zeiten der gekühlten Milchtanks und der Hofabfuhr ein langsam verschwindendes Symbol der Milchwirtschaft. Bevor sie nun ganz vom Gestell über dem Stallbänkli abgeräumt wird, setzt ihr die Multi-Kulturalistin Charlotte Wittmer (man kennt sie auch aus der Kapelle Sorelle) noch ein kleines Denkmal. In ihrem „Musikmilchtheater“ Bränte entlockt sie den Kannen, oder eben, wie sie der Volksmund so schön nannte, den Bränten, allerlei Töne und benützt sie gleichzeitig als vielgestaltige Statistinnen in ihrer szenischen Kannnenparade. Charlotte verarbeitet darin auch ein Stück Familiengeschichte, ist sie doch als Tochter eines Molkereibesitzers aufgewachsen. Die nächste Gelegenheit für einen Besuch der eiweisshaltige Revue bietet sich am nächsten Freitag, 1. April, wenn „Bränte“ in Liestal im Palazzo gastiert. Agroblog empfiehlt: Hingehen und zum Apéro ein Glesli Milch genehmigen. (Bilder Simon F. Egli)

2 Antworten to “Eine Milchkanne kann mehr als nur Bränte sein”

  1. Ruedi Baumann Says:

    Schöne Fotos und eine vielversprechende Milchrevue! Allerdings war für mich im Bernbiet eine Bränte ein auf dem Rücken getragenes Milchgefäss mit einem Holzdeckel….
    „Auf unserem Hof betrieben wir während Jahrzehnten nebenher die dörfliche Milchsammelstelle. Die Eingangstür zum Milchraum befand sich gleich gegenüber der Stalltür, was bedeutete, dass der Stall aus hygienischen Gründen immer rechtzeitig ausgemistet werden musste, noch bevor die ersten Kunden in die Käserei kamen. Der Miststock war hinter einer Holzbretterwand versteckt, und der Hausplatz hatte immer einwandfrei sauber zu sein. In den fünfziger Jahren brachten über ein Dutzend Bauern morgens und abends ihre Milch zu uns in die Sammelstelle. Die grösseren Bauern stellten ihre Kannen auf einen Handkarren und die kleinen trugen ihre Milch in einer Brännte auf dem Rücken. Alle kamen noch zu Fuss, mit Ausnahme des Kleinbauern vom oberen Dorfteil, der jahrelang mit geschulterter Brännte auf einem alten Fahrrad ohne Bremsen den Hügel hinunterraste, auf dem holprigen Bahnübergang regelmässig eine Milchspur hinterliess und immer nur knapp die Abzweigung zur Inselmatt erwischte. Fast immer: einmal schaffte er die enge Kurve nicht, knallte kurz vor dem Ziel ungebremst in eine Scheunenwand und die Milch ergoss sich in einem Schwall über ihn und versickerte langsam auf dem Kiesweg. Mit leerer Brännte und kaputtem Fahrrad, aber glücklicherweise ohne grössere Schrammen machte sich unser Milchlieferant zu Fuss auf den stotzigen Heimweg…“ (aus Bauernland)
    Grüsse ins Züribiet
    RB

  2. adriankrebs Says:

    Lieber RB, danke für die Ergänzungen, Charlotte schreibt: „Ich weiss, dass Bränte vom Holzgefäss auf dem Rücken herstammt. In einigen Regionen sagt man Bränte zur Milchkanne. Andere nennen eine breite Frau „eine Bränte“. Im Fricktal sagt man „de het e Bränte“ zu einem Suff. Mir hat das Wort einfach sehr gut gefallen- breit und urchig! Wir zuhause haben Milchkanne gesagt.“ Schöne Tag und Gruess i Süde

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