Die EU kopiert die Schweiz und stösst an Grenzen

Agrarjournalisten-Ausflug zur EU nach Brüssel. Wir lassen uns von den Spezialisten der Generaldirektion Landwirtschaft und ländliche Entwicklung (DG Agri) in die Geheimnisse der europäischen Agrarpolitik einführen. Die Materie ist für einen Zaungast wie mich ziemlich komplex, aber ein paar Schlüsse wage ich trotzdem zu ziehen: Die EU ist daran, die nächste Reformrunde zu stemmen und wandelt dabei auf den Spuren der Schweiz:  Entkoppelung der Preis- von der Einkommenspolitik mit Hilfe von Direktzahlungen, kombiniert mit Ökologisierung (Cross Compliance, wie das im Jargon heisst) und der Förderung des ländlichen Raumes. Das ist mittlerweile ein fast babylonisch anmutendes Projekt. Die auf 27 Staaten angewachsene Union vereint unter ihrem Dach vom einfachen Olivenbäuerchen im Süden, über den industriellen Schweinemäster im Norden bis zum latifundistischen Getreideproduzenten im Osten (um nur einige zu nennen) praktisch das gesamte Spektrum der weltweit vorkommenden Landwirtschaftsformen. Eine steigende Zahl von Landwirten muss sich dabei um eine seit Jahren praktisch unveränderte Summe balgen. Im vergangenen Jahr sind rund 58 Milliarden Euro in die Landwirtschaft geflossen, rund 13 davon zugunsten der ländlichen Entwicklung, der Rest in Form von Direktzahlungen. Wie obenstehende Grafik zeigt (bitte anklicken, um die Lesbarkeit zu erhöhen), sind die Unterschiede in der Verteilung enorm. Die kleinsten Betriebe erhalten um die 150 Euro pro Jahr. Man fragt sich unterdessen hinter vorgehaltener Hand, ob eine gemeinsame Agrarpolitik unter diesen Bedingungen überhaupt noch Sinn macht. Aus Schweizer Sicht drängt sich ein Beitritt vor diesem Hintergrund – gelinde gesagt – nicht auf. Die Verhältnisse hierzulande sind nämlich für die Bauern im Vergleich geradezu fürstlich. Die Stützung ist proportional zur Bevölkerungszahl gut dreimal so gross wie diejenige in der EU (CH: 7 Millionen Einwohner, 3.5 Milliarden Franken/Jahr; EU: 500 Millionen Einwohner, 80 Milliarden Franken/Jahr). Kleines entlastendes Detail zu Gunsten der Schweiz: Praktisch die gesamte Fläche gälte in der EU aus agrartechnischer Sicht als LFA (less favoured area, weniger bevorzugtes Gebiet, braun markiert), sprich Berggebiet und hätte damit Anrecht auf stärkere Unterstützung (siehe Chart unten).
  

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: