Hornmilch hinterlässt erste Spuren im Markt

Der Schweizer Bauer berichtet diese Woche von einem Podium zum Thema „Kühe ohne Hörner – können wir uns das leisten?“ (leider nur in der Papierversion, deshalb kein Link). Dort wird der Andeerer Käser Martin Bienerth zitiert. Er bezahle den Bauern für Hornmilch – also Milch von behornten Kühen – einen höheren Preis. Er wisse zwar nicht, ob Hornmilch besser sei, aber der Werbeeffekt durch diese Massnahme sei so gross, dass es sich lohne (was ja nicht zuletzt auch dieser Post beweist…). Item, das veranlasste mich dazu, mal nachzuschauen, wieviel Konkurrenz Bienerth schon hat. Auf der Seite der Tierschutz-Organisation KAG wurde ich mehr als fündig. Dort preisen unterdessen 12 Betriebe vor allem aus dem Bio-Segment Produkte aus Hornmilch beziehungsweise von behornten Kühen an. Darunter neben Trinkmilch, Quark, Rahm und Butter diverse Käse, Frischfleisch, Bündnerfleisch, Mostbröckli, Salsiz und Cervelat. Aufgefallen ist mir auch die Alp Morgeten, die ab kommenden Sommer einen Hornmilch-Alpkäse herstellen will. Die Konkurrenz für Bienerth ist also beachtlich und ich frage mich, wie lange es geht, bis die ersten rein ökonomisch motivierten Nachahmer auf den Markt kommen. Vor diesem Hintergrund ist die eingangs erwähnte Frage zur Podiumsdiskussion gar nicht so abwegig wie sie heute erscheint, bei rund 90 Prozent enthornten Kühen. (Bild David Meili, herzlichen Dank!)
PS. Um den Hornmilch-Werbespot noch zu vervollständigen: Auch die Sennerei Bachtel und die Luchsinger Käserei im glarnerischen Haslen setzen laut Informationen einer aufmerksamen Leserin auf Milch von behornten Kühen. Danke für den Tipp, Denise!

13 Antworten to “Hornmilch hinterlässt erste Spuren im Markt”

  1. Fischersohn Says:

    Ganz, ganz, clever gemacht…
    Aufgrund fehlendem Kommentarfeld werde ich mich nun doch sehr zurück nehmen müssen.
    Horn Heil.

  2. Philippe Says:

    Schön Wortkreation, „Hornmilch“. Und ja, das Horn gehört zur Kuh wie die Milch zum….ääääm….Baby, irgendwie, oder?

  3. Weltis Welt » Jetzt kommt die Hornmilch Says:

    […] Kinder wissen schon bald nicht mehr, dass Kühe eigentlich Hörner tragen bei 90 Prozent enthornten Rindviechern im Land. Weshalb sind die Bauern eigentlich nicht früher darauf, die Milch ihrer behornten Kühe als Hornmilch zu vermarkten? Mehr dazu hier. […]

  4. Stephan Says:

    Man sollte sich aber davor hüten mit dem Finger auf die Bauern zu zeigen.
    Letztendlich ist es der Konsument, der viel Fleisch- und Milchprodukte für wenig Geld verzehren will.
    Laufställe, viele Tiere und keine Zeit eine Beziehung zu jedem Tier zu pflegen. Also Horn weg, damit die Verletzungsgefahr sinkt. Noch besser einen Melkroboter installiern, dass man die Viechern gar nicht mehr nahe kommen muss.

  5. Haueter Christian Says:

    Damit der erste, -rein oekonomisch motivierte Nachahmer, mir nicht in die „Hornmilch“ spucken kann, habe ich den Begriff „Hornmilch“ für sämtliche Michprodukte und Fleisch als Markennahmen beim Eidgenössischen Institut für Geistiges Eigentum als Marke Nr.614335 schützen lassen. Wir werden also auf der Alp Morgeten von 55 behornten Kühen „Hornmilchkäse herstellen und ihn am 15/16 Oktober am Alpkäsemarkt im historischen Weissenburgbad in den Verkauf bringen. Mit Patentverlezungen kann ich gut leben, so lange sie nur von andern Bauern oder kleinen gewerblichen Betrieben begangen werden.

  6. Andreas Says:

    Gut und recht das Thema! ABER… bevor wir über „Horn auf“ diskutieren, sollten wir über „Kuhglocken ab“ diskutieren. Ich glaube der 24h Lärm und das 24h Tragen einer schweren Glocke ist für die Kuh sicher schädlicher, als keine Hörner. Es ist halt ein Tabut-Thema. Horn auf ist halt ein Schicki-Micki-Thema, das sich gut vermarkten lässt.

  7. Stephan Bösch Says:

    Kuhhorn Schicki-Micki-Thema?
    Sie scheinen sich ausführlich mit dem Thema beschäftigt zu haben…

    http://www.zalp.ch/aktuell/suppen/suppe_2003_05/su_ho.html

  8. Andreas Says:

    Aha….und warum gibts keine Studie über Kuhglocken? Tragen Sie 24h am Tag ein Glocke um den Hals? Zum Arbeiten, zum Essen, zum schlafen. Falls „Horn auf“ so ein Einfluss hat, dann haben die Kuhglockwn def. Einen grösseren Einfluss.

  9. Stephan Bösch Says:

    Kuhglocken scheinen ihr Thema zu sein.
    Ich habe mich lediglich zu ihrer Schicki-Micki Aussage geäussert.
    Studien gibt es heute fast für alles. Man sollte aber immer schauen, von wem jeweils eine Studio finanziert wurde.
    Aber das ist ein anders Thema.

    Draussen höre ich gerade die Kircheglocken. Schon wieder Glocken! Und Autolärm!

    Einen schönen Sonntag wünscht
    Stephan Bösch

  10. Andreas Says:

    Augen zu, Ohren zu, dann sieht mich keiner, resp ich kbeschäftige mich nur mit dem was gerade trendy ist. So kommt mir die ganze Aktion vor, dazu stehe ich. Schiki-Miki heisst, es ist ein Thema (ob berechtigt oder nicht), das sich mit einer Prise „heimatlichem Gefühl“ und einer Prise „biologischer Gesundheit“ dem Städter gut vermarkten lässt. Wenn man aber den Tierschutz ernst nehmen würde, dann müsste man eben auch das Tabutthema angehen.

    P.S. Tragen Sie nun 24h am Tag eine Glocke? Meine Erfahrung zeigt, das typische Ablenkungsmanöver ist dann die Anmerkung mit Autolärm, Kirchenglocken, Stadtlärm…….

  11. Stephan Bösch Says:

    Wenn sich etwas über den Weg des Geldes verbessern lässt, dann kann ich gut damit leben. Der Geschäftsführer einer Induktionsherd-Firma oder einer Firma, die Isolationsmaterial aus Altpapier herstellt (das sind nur Beispiele), ist ein Mann des Geldes und kein Umweltschützer. Es wird damit ein Haufen Geld verdient und die Kunden haben ein besseres Gewissen oder haben durch den Kauf des Produktes tatsächlich eine Verbessung herbei geführt.

    Um ihre Frage zu beantworten: Nein, ich trage keine Glocke.
    Ich habe mich wie gesagt NICHT zum Thema Kuhglocke geäussert und es auch nicht gut geheissen.

  12. adriankrebs Says:

    Werte Herren, danke für die angeregte Glocken-/Horndiskussion. Das zweite Thema wurde hier schon ausführlich gewürdigt, das erste eher weniger, habe mir selber ehrlich gesagt noch nie wirklich Gedanken dazu gemacht, unmöglich scheints mir aber nicht, dass das Tinnitus auslösen kann, etc. Aber die Anwohner, die den Kuhschutz in den Vordergrund stellen weil sie sich selber gestört fühlen, gehen auch ein bisschen heuchlerisch vor. Anyway, ich behalte das Thema im Auge, bzw im Ohr. Hier noch ein Link zu einer ausführlichen Dokumentation der IG Stiller:
    http://www.nachtruhe.info/kuhglocken.xhtml
    Gute Nacht

  13. Catherine Nüesch Says:

    Lieber Konsument
    Lieber Leser
    Hörner sind schön, Kühe mit schönen Hörner noch viel schöner. Ein Landwirt mit zwei gesunden Augen aber noch viel, viel schöner.
    Bitte hört mit diesem Egoismus auf ! Wieviele Landwirte müssen noch ihre Augen verlieren, nur weil der Konsument Hornmilch will. Das ist reiner Wahnsinn.
    Dieses Jahr 12.300 Verletzte durch Kühe mit Hörner. Wieviele müssen es noch sein ? Wo bleibt das Gewissen ?
    Als Juristin werde ich mich einsetzen, damit dieser Wahnsinn gestoppt wird. In den Autos sind Sicherheitsgurten obligatorisch, weil dies Unfallfolgen verkleinert, aber dafür dürfen die Landwirte ihre Augen verlieren.
    Liebe Grüsse aus der Schweiz

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