Patron Walter geht, nun ists Zeit für eine Gräfin

Hansjörg Walter hat wieder einmal seine Virtuosität im Umgang mit der politischen Konkurrenz an den Tag gelegt, diesmal mit der innerparteilichen. Nur einen Tag nachdem SVP-Präsident Toni Brunner seinen Rücktritt als Präsident des Schweizerischen Bauernverbands (SBV) auf kommenden Herbst gefordert (und absurderweise den Stöckli-Bauern in spe Christoph Blocher ins Spiel gebracht) hatte, kam er der Forderung nach. Aber nur vermeintlich. Walter bleibt bis nach seinem Präsidialjahr im Nationalrat SBV-Chef und lässt in dieser Zeit seine Vizepräsidenten auftreten. Bis im Herbst 2012 bleibt dem Patron genügend Zeit, um einen Nachfolger nach seinem Gusto auszuwählen. Klar ist, dass es ein Bundesparlamentarier sein muss und einer mit Stallgeruch, das heisst mit einiger politischer Erfahrung und Nähe zum Bauernverband. Wenn man die gegenwärtige Parlamentarier-Riege und den Vorstand anschaut, findet man aber kaum jemanden mit der nötigen Schuhgrösse für Walters Stapfen. Es braucht einen kommunikativen, telegenen Sympathieträger, der mit einem Bauer ebenso gut sprechen kann wie mit einer trendigen Zürcher Konsumentin. Der neue Präsident muss in der Berner Ochsenscheune gut etabliert sein (Neo-National- und Ständeräte kommen deshalb aus meiner Sicht nicht in Frage), hartnäckig und verhandlungsstark. Zudem muss er mehr können, als das Schollen-Mantra runterleiern und fähig zum Schmieden von Allianzen, auch über die politischen Grenzen hinweg. Alles in allem erfüllt derzeit kein einziger er, aber eine einzige sie all diese Anforderungen: Maya Graf (49), grüne Baselländer Nationalrätin seit 2001 und Biobäuerin. Trotz ihrer politischen Herkunft ist sie bei den bürgerlichen Agrariern gut angesehen. Wie hartnäckig sie ist, davon konnte man sich im Film „Mais im Bundeshuus“ überzeugen. Dass sie keine Berührungsängste hat, mit bürgerlichen Agrariern zu paktieren bei der kürzlichen Allianz für die Motion Aebi. Dass sie sympathisch ist anlässlich einer persönlichen Begegnung an einem Hoffest. Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr als Maya Graf an die Spitze des SBV, wird sich mancher Bauernvertrter denken. Ich bin überzeugt, dass es sich auch für sie lohnen würde, diese Kröte zu schlucken. (Bild Peter Klaunzer/Keystone)
PS. Am selbigen 12. Mai ist übrigens auch der erste grüne deutsche Ministerpräsident vereidigt worden. Wer vor einem Jahr prognostiziert hätte, dass dies ausgerechnet in Baden-Württemberg geschieht, wäre wohl mit Bitte um Schonung angehalten worden. 

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