Explodierende Melonen auf des Eisbergs Spitze

Auf Newsportalen war heute viel die Rede von explodierenden Melonen in China. Ob sie wirklich explodiert sind, daran habe ich meine Zweifel, wenn ich die Bilder ansehe. Unbestrittenermassen haben sie sich aber grossflächig selber zerstört, die Rede ist von 45 Hektaren in Danyang in der Provinz Jiangsu. Ursache ist offenbar der Wachstumsförderer Forchlorfenuron. Die systemisch (das heisst in der ganzen Pflanze samt Frucht) wirkende Substanz ist seit 2004 auf dem Markt, in den USA ist sie ausschliesslich zugelassen für den Gebrauch auf Trauben und Kiwi, in der EU nur für Kiwi, sofern ich diesen Artikel richtig verstanden habe. Sie hat eine sehr durchzogene Reputation, weil sie toxisch und schlecht abbaubar ist. Die Melonenfarmer, die nun in China ihre Ernte an die Tiere verfüttern müssen, sind laut verschiedenen Berichten „Erstanwender“ der Substanz. Offenbar haben sie das Produkt zu spät und bei nassem Wetter appliziert. Das Melonen-Debakel wirft ein Schlaglicht auf die Probleme der chinesischen Landwirtschaft. Gezeichnet durch jahrzehntelange Kollektivierung leidet sie heute an mangelnder Ausbildung, Mikro-Parzellierung, massiver Gewässer, Luft- und Bodenverschmutzung, Lebensmittelskandalen und Spekulation, um nur ein paar Probleme zu nennen. Zwar hat man aus den katastrophalen Fehlern während Maos grossen Sprung nach vorne viel gelernt und die Produktion massiv gesteigert. Die stark zunehmende Bevölkerung und der hohe Druck auf das Agrarland haben die Probleme aber wieder verschärft. Dass diese gelöst werden ist recht essentiell für die ganze Welt: China ist der grösste Produzent aber auch der grössten Konsument von Nahrungsmitteln auf der Erde, Tendenz steigend. (Bild Zhang Bin /EPA)

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