Srbijagrotourismus(2): Biosalat, Hefe, Exportäpfel

Zweiter Tag der Balkantour, der Himmel weit und fast wolkenlos, das Programm dichtgedrängt. Den Auftakt machen wir erneut in der Gegend von Novi Sad. Wir sind bei Familie Vozar zu Gast. Der Biogemüsler ist ein Pionier. Er produziert auf 25 Hektaren Salat, Randen, Radiesli, Broccoli und sonst noch ein paar Kreuzblütler. In Serbien liegt der Anteil der Bio-Produktion wert- und flächenmässig noch weit unter einem Prozent (zum Vergleich: in der Schweiz ca 10 Prozent, in Österreich 18 Prozent). Jetzt will die Regierung Nägel mit Köpfen machen. Die Stützung wird von bisher 300 auf 500 Euro pro Hektar erhöht, allerdings sind die Marktpotenziale noch bescheiden. Die Kaufkraft ist für Bioprodukte fast nur in den Städten teilweise gross genug. Die Frauen im Bild oben übrigens verdienen für ihre Jätarbeit rund 2 Euro pro Stunde. Abrupter Szenenwechsel: Hefeproduktion bei den „Yeastie-Boys“ von Alltech, einer amerikanischen Firma, die den Löwenanteil des Umsatzes mit Futterzusätzen erwirtschaftet. Die Fabrik in Senta produziert aber schwergewichtig Hefe für die Backwarenherstellung. Interessant: Der CEO der serbischen Tochterfirma erklärt, er befürchte dass die kleinstrukturierte serbische Landwirtschaft durch einen allfälligen EU-Beitritt – Serbien bemüht sich immer noch um den Kandidatenstatus – zerstört würde. Klare Worte. Und weiter gehts erneut quer durch die Vojvodina zurück in die Nähe von Novi Sad. In Celarevo besuchen wir eine Apfelplantage mit einer Fläche von 210 Hektaren, gigantisch. Eigentümer der Betreiberfirma Delta Agrar ist der schwerreiche serbische Oligarch Miroslav Miskovic, der sein Geld unter anderem mit Supermärkten gemacht hat (hier ein kritischer FAZ-Artikel über sein Geschäftsgebahren). Die knapp 6000 Tonnen Tafeläpfel, die er hier produzieren lässt, werden zu einem guten Teil nach Russland exportiert. Die Fruchtproduktion ist nur ein kleiner Teil von Miskovic‘ Imperium. Er lässt auf weiteren knapp 15 000 Hektaren unter anderem Gemüse und Ackerkulturen wachsen. Zur Delta Agrar, die jährlich rund 260 Millionen Euro Umsatz generiert hat, gehören daneben Schlachtereien und eine Grossmühle. Miskovic ist ein gutes Beispiel für einen neuen Typ von Landwirtschafts-Investor ohne bäuerlichen Hintergrund. In seinen Hochglanzbroschüren wirbt er für eine Franchise-Zusammenarbeit mit den örtlichen Bauern. Wie nachhaltig sein Interesse an der (kleinbäuerlichen) Landwirtschaft ist, wird sich weisen müssen. Wenn man Miskovic‘ Vergangenheit kennt, hat man Mühe zu glauben, dass er die Gewinne brüderlich mit seinen bäuerlichen Partnern teilen wird. 

2 Antworten to “Srbijagrotourismus(2): Biosalat, Hefe, Exportäpfel”

  1. Ruedi Baumann Says:

    Interessante Reportage! Go eas young man there is land…
    Gruess RB

  2. adriankrebs Says:

    Danke Ruedi, Land gibts wahrhaft genug, aber leider nicht mehr so jung… Gruess Adrian

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: