Srbijagrotourismus(3): Beeren, Schafe, Landflucht

Heute am dritten Tag der Balkantour durch Serbien ein landschaftlicher Szenenwechsel. Nach zwei Tagen in der topfebenen Vojvodina fahren wir nach Valjevo im hügeligen Süden. Die Landschaft ist eine Mischung aus Emmental und Siebenbürgen, vom Entwicklungsstand her, eher der rumänischen Kulturlandschaft gleichend. Die Idylle trügt. Die Dörfer rund um die Stadt mit etwa 100 000 Einwohnern leeren sich, es gibt ausserhalb der kargen Landwirtschaft kaum Arbeitsplätze und die Städte locken. In Valjevo gibt man aktiv Gegensteuer. Die Stadtverwaltung hat schon 1986 ein umfangreiches ländliches Entwicklungsprogramm gestartet, das allerdings durch die Kriegswirren etwa zehn Jahre brach lag. Seit 2002 versucht man nun mit einem Massnahmenmix aus materieller Unterstützung und Ausbildung Perspektiven für die Subsistenzbauern zu schaffen. Das lässt sich die Stadt jährlich 200 000 Euro kosten. Ein gutes Beispiel ist das Schafprogramm. Ein Bauer kann kostenlos 30 Lämmer beziehen, muss sich aber verpflichten, innert 3 Jahren 39 Jungtiere an die Stadt zurückzuliefern. Diese werden wiederum an neue Interessenten weitergegeben. Dieser lebendige Fonds de roulement bewährt sich. Innerhalb der letzten 9 Jahre konnte der Schafbestand in Valjevo auf 4500 gut verzehnfacht werden. Bei der geförderten Bauernfamilie Stepanovic im Dorf Stave haben wir uns nicht nur die Schafe angeschaut, sondern auch das umfangreiche Spezialitätensortiment getestet und auch sonst sehr gut gegessen. Neben der Schafhaltung werden in der Gegend von Valjevo auch die Milchviehhaltung und der Frucht- und Beerenanbau gefördert. Hier gibt es einiges Potenzial. Rund um die lebhafte Stadt spriessen nicht weniger als 2 Millionen Pflaumen- und Zwetschgenbäume. Die Trocknerei im Tal verarbeitet die Früchte zu einem erfolgreichen Exportprodukt. Nicht minder florierend ist die Himbeerenproduktion. Serbien produziert 850 000 Tonnen, 85 Prozent davon werden ausgeführt, hauptsächlich gefroren. Nun will man das heikle Früchtchen noch vermehrt auch frisch ausführen, wie uns der Landwirtschafts-Staatssekretär voller Optimismus berichtet. Er sieht Serbien als künftige Co-Kornkammer der EU. 

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