Die Methoden des biovisionären Herr Herren

Dieser Tage ist im Orell-Füssli-Verlag ein interessantes Buch erschienen. Der etwas pathetische Titel „Wie Hans Rudolf Herren 20 Millionen Menschen rettete“ sollte nicht vom Lesen abhalten, im heutigen Verlagsbusiness braucht es derlei Anpreisungen, um im Buchhandel nicht unterzugehen. Das Buch von Herbert Cerutti beschreibt „die ökologische Erfolgsstory eines Schweizers“. Diese ist beachtlich. Herren hat sich als Insektenforscher mit seinen Errungenschaften im Bereich biologische Schädlingsbekämpfung verdient gemacht. So verdient, dass er 1995 mit dem Welternährungspreis ausgezeichnet wurde. Sein grösster Erfolg – und darauf bezieht sich der Titel des Buchs – ist die Bekämpfung der Maniokschmierlaus mit Hilfe einer südamerikanischen Schlupfwespe. Die grobfahrlässig nach Afrika eingeschleppte Schmierlaus bedrohte die Nahrungsmittelbasis von Millionen von Afrikanern, eben den Maniok. Cerutti schildert detailiert die ganze Geschichte, von der Suche nach dem Nützling bis zu dessen Ausbringung mit ausgeklügelten Gerätschaften per Flugzeug. Selten fand ich Landwirtschaftsforschung so nachvollziehbar logisch, wie in der Arbeit Herrens. Schädling identifizieren, Nützling suchen, Nützling ausbringen, Schädling im Zaum halten. Heute ist der Walliser Agronom mit Berner Wurzeln Präsident des von ihm gegründeten Hilfswerks Biovision. Er ist seinem Approach treu geblieben. Mit naturnahen Methoden den Problemen der 3.-Welt-Landwirtschaft zu Leibe rücken. Zwei Beispiele. Erstens: Bekämpfung der Malaria-Plage mit Mückennetzen, Nützlingen, Information&Ausbildung („Malaria-Scouts“) und der Trockenlegung von Tümpeln statt dem gesundheitsschädigenden Symptombekämfpung mit DDT. Zweitens: die Push-Pull-Methode, bei der der im Maisanbau in Mischkultur mit einer Leguminose gleich zwei Bedrohungen im Zaum gehalten werden: der Stengelbohrer und das Unkrautproblem. Dass Herren durch seine Arbeit zum Gentech-Kritiker geworden ist, wie zum Beispiel hier moniert wird, erstaunt mich nicht. Die bisher angebotenen Lösungen aus diesem Forschungsgebiet sind, da prioritär auf kurzfristigen Profit ausgerichtet, wenig nachhaltig und werden die 3.-Welt-Bauer nicht aus der Armuts- und Hungerfalle befreien können. Ob das mit Herrens Methoden gelingt, ist nicht sicher, aber die bisherigen Ergebnisse scheinen mir ermutigend. (Bild Christian Beutler/NZZ)

Eine Antwort to “Die Methoden des biovisionären Herr Herren”

  1. FischerIon Says:

    Sorry, ist das Kommentarfeld eigentlich auch dazu da, emotionale Regungen zu spiegeln?
    Falls ja, dann habe ich zu diesem Post eine kleine solchige, resp. sagen wir, eine kleine Unsicherheit. Stichwort amerikanischer Sumpfkrebs in Zürcher Seen, Sonnenbarsch im ZH-See, Regenbogenforellen in öffentlichen Gewässern, Aga-Kröten, Katzen und Kaninchen in Australien, usw. usw. Siehe auch:
    http://www.nzzfolio.ch/www/d80bd71b-b264-4db4-afd0-277884b93470/showarticle/8c356789-5e17-49e2-a369-fedaac0c3d20.aspx

    Die Weltbilanz des Nutzens/Schadens importierter Tiere dürfte unter dem Strich wohl massiv im Minus stehen – drum hier ein grosses Fragezeichen.

    PS: Diese Woche hat man mir asiatische EM-Bakterien-Kulturen zur Bekämpfung von Algen und zwecks aerobem Nitratabbau empfohlen. Ist das wirklich sinnvoll? NoGo von meiner Seite! (es sei denn, diese bringen dem heimischen Graureiher starke Migräne).

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