Klosterbrüderliche Wertschöpfung im Oberland

Ausflug in die Bündner Berge mit den Agrarjournalisten. Ein nicht ganz ungeplanter Glücksfall: In Disentis eröffnet am selbigen Wochenende die Sennaria. Jetzt muss ich etwas ausholen: Die Käserei ist ein Projekt des Bündner Architekten Gion A. Caminada, der sich bisher vor allem mit Holzbauten in seinem Heimatdorf Vrin im Lugnez einen Namen geschaffen hat. Aber auch in Beton und in Disentis hat er schon Spuren hinterlassen. Leicht unterhalb des imposanten Benediktinerklosters hat er ein Mädcheninternat gebaut. Item, Caminada und die Benediktiner kannten sich bereits und es lag deshalb auf der Hand, dass Caminada auch die landwirtschaftlichen Neubauten des Klosters plante. Vor knapp sechs Jahren brannte nämlich der klösterliche Betrieb bis auf die Grundmauern ab und nach einigem Hin- und Her ging man daran, einen Neubau zu planen. Caminada baute einen Freilaufstall für rund 40 behornte Kühe plus Jungvieh. Unser Begleiter Bruder Niklaus, er ist Statthalter im Stift und Projektverantwortlicher, erzählte uns dazu eine kleine Geschichte. Anfänglich sei er nicht sonderlich begeistert gewesen von der Idee für Hornvieh zu bauen und so den Preis wegen zusätzlichem Platzbedarf im Stall markant zu erhöhen. Dann aber habe man ihn aufgeklärt über das unterschiedliche Sozialverhalten in Herden mit und ohne Hörnern. Während bei Hornlosen die schwerste Kuh dank Körpereinsatz dominiere, genüge bei den Behornten ein kleiner Wink der Leitkuh mit dem grossen Gehörn, um die Untertaninnen in die Schranken zu weisen. Das habe ihn schliesslich vom Sinn der Zusatzinvestition überzeugt. Teil des Neubaus ist auch ein grosszügiger Veranstaltungsraum. Er wird vom Center Sursilvan d’agricultura betrieben. Ziel des breit abgestützten Vereins ist es, die Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft und Tourismus in der Surselva zu verbessern, sowie mehr Wertschöpfung im Tal zu halten. Das vom Center mitinitiierte Projekt für die Sennaria mit Laden war ein Resultat dieser Bestrebungen. Heute liefern 30 Bauern ihre Milch ein, produziert werden Bündner Bergkäse und eine Reihe von Spezialitäten. Die Absatzkanäle sind noch weniger solid betoniert als die Käserei, aber man arbeitet daran. Da ist man in Surrein schon weiter. Im etwas talabwärts gelegenen Dorf produziert Familie Candinas in ihrer in einem sehenswerten Neubau untergebrachten Destillaria ein Sortiment mit 20 verschiedenen Schnäpsen, von der Vogelbeere über den Enzian bis zur Vieille Prune. Ergänzt wird das Angebot mit einem leichten Holunder-Sekt und Süssmost. Wir haben fast alles degustiert und es hat sich gelohnt. Familie Candinas arbeitet übrigens nicht nur mit dem Center sursilvan zusammen, sondern zudem in der Genossenschaft Amarenda mit fünf weiteren Bauernfamilien in der näheren Umgebung. Das Angebot ist vielseitig: Lamatrekking, Kosmetikprodukte, Schlafen im Stroh, Kartoffelwurst, Geschenkkörbe usw. Unbedingt ein Ausflug wert.  (Zweitoberstes Bild Heidi von Heidi’s Mist, grazcha fich!)

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