1 Leser(b)rief: Viel Wahres & ein falscher Schluss

In der NZZ stand  diese Woche ein lesenswerter Leserbrief. Ein pensionierter Bauer kommt ins Schwelgen über die schönen Seiten des Berufs: Freies Unternehmertum, kein Chef trotz guter Subventionierung durch den Staat, günstiges Eigentum an schönster Wohnlage, gut betreut von einer Armada von Bundes- und Kantonspersonal. Ich kann Herr von Reding nur Recht geben. Wer es sich heute noch leisten kann, Bauer zu sein, der hat mehrheitlich kein schlechtes Los. In dieser Offenheit spricht man über die schönen Seiten des Berufs innerhalb der Branche höchstens hinter vorgehaltener Hand. Das hat auch strategische Gründe: Wer jährlich 3 Milliarden Franken aus der Bundeskasse bezieht, tut gut daran, sein Dasein als möglichst beschwerlich darzustellen. Vollumfänglich kann ich Reding trotzdem nicht zustimmen. Erstens hat die intensive Betreuung durch Tausende von Beamten auch ein paar gewichtige Kehrseiten: Meist scheint mir das Gejammer über die Kontrollen und die Formularitis zwar etwas übertrieben, aber ein Landwirt verbringt heute fast gleich viel Zeit am Bürotisch, wie am Steuer des Traktors. Zweitens gibt es zahlreiche andere Berufsgruppen, die es sich mit Unterstützung des Staates gut gehen lassen. Nicht dass ich beispielsweise den städtischen Beamten in Zürich die Lunchchecks und den Monat Ferien zum Zehnjährigen missgönnen würde, aber von solchen Konditionen kann mancheiner in der Privatwirtschaft nur träumen. Drittens frage ich mich, was Reding mit dem ominösen Schlusssatz meint. Die Zahlungen an die Landwirtschaft sind ja vollkommen transparent und in der Verfassung verankert. Da wird weder Schwarzgeld bezahlt noch Geld gewaschen, wie das in anderen temporär staatsabhängigen Branchen auch schon vorgekommen ist. Für die ansehnliche Summe, die sie erhalten, bringen die Bauern reelle Gegenleistungen, die den Vergleich mit denjenigen aus anderen Sektoren nicht zu scheuen brauchen.

4 Antworten to “1 Leser(b)rief: Viel Wahres & ein falscher Schluss”

  1. FischerIon Says:

    He! Was für eine Branche?!? Temporär? Schwarzgeld?
    Sie brauchen Ferien!

  2. adriankrebs Says:

    Ich hätte es wohl wieder einmal als Quiz ausschreiben sollen… und Ferien? Ja gärn, dauert aber noch eine Weile

  3. FischerIon Says:

    Wär cool gewesen. Die eingehenden Antworten hätten mich bestimmt amüsiert (oder gar inspiriert?). Selbst könnte ich im vorliegenden Fall die richtige Antwort aber niemals erraten, leider.

  4. Die Bauern haben viel zu verlieren « Heidis Mist Says:

    […] zum Thema 1 Leser(b)rief: Viel Wahres & ein falscher Schlussa in Adi’s […]

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