Braucht es noch zwei Bauernzeitungen?

Ein nicht allzu unwichtiger Exponent der Schweizer Agrarszene bezeichnete sie kürzlich beide als unbrauchbar. Ohne sie ginge es den Schweizer Bauern wenn nicht besser so doch sicher nicht schlechter, meinte der Mann. Die Rede ist von Bauernzeitung (BZ, aka Bauern-Pravda) und Schweizer Bauer (SB, aka Bauern-Blick). Ich würde mit den wichtigsten Agrar-Fachblättern nicht so hart ins Gericht gehen, wie mein kürzlicher Gesprächspartner. Beide bieten ein handwerklich meist einwandfreies Rundumpaket: Aktuelle Geschichten, interessante Reportagen, Beratung, Marktpreise. Aber braucht die schrumpfende Agrarszene wirklich zwei wöchentlich ein (BZ) bzw. zwei mal (SB) erscheinende konkurrenzierende Zeitungen? Dafür spricht, dass Konkurrenz das Geschäft belebt und Meinungsvielfalt erstrebenswert ist. Aber wie gross ist denn die Meinungsvielfalt? Beide Blätter pflegen ihre Gärten: Die verbandseigene BZ ist das Sprachrohr der Organisationen und der SB aus dem Hause Tamedia ist die Lobby der Liberalisierungs-kritischen Mainstream-Bauern. Letztlich resultiert das gleiche Profil. Man verzichtet bei beiden Blättern weitestgehend darauf, auch einmal eine provokative Position einzunehmen und damit zum Denken anzuregen, wohl aus Angst, die Leser und die Inserenten zu verärgern, wobei man der Gerechtigkeit halber sagen muss, dass dies auch in der Publikumspresse häufig der Fall ist. Der Effekt ist, dass sich die beiden Blätter in vielem gleichen wie ein Ei dem anderen, auch wenn der SB im Schnitt noch etwas spritziger daher kommt. Unter dem Strich könnte man die Titel wohl ohne Schaden für die Landwirtschaft zusammenlegen oder unter einem Dach zusammenführen. Vielleicht wäre es einem Monopolisten – neben den resultierenden Synergieeffekten – sogar einfacher möglich, etwas selbstbewusster aufzutreten und nicht ständig nach der Pfeife der diversen Lobbys zu tanzen. Hinter den Kulissen wird bereits eifrig an der Zusammenführung gearbeitet, aus Spargründen und weil Tamedia die Fachpresse abstossen will. Am wahrscheinlichsten ist wohl eine Fusion unter dem Dach der Agrarmedien GmbH, der Herausgeberin der BZ. Das wichtigste ist aber nicht, wer der neue Besitzer ist, sondern dass dieser der Redaktion/den Redaktionen die völlige publizistische Freiheit gewährt. Denn die Bauern brauchen kein bedingungsloses Sprachrohr, sondern einen Sparringpartner, der sie auch einmal vor den Kopf stösst.

3 Antworten to “Braucht es noch zwei Bauernzeitungen?”

  1. Samuel Says:

    der letzte satz trifft den nagel auf den kopf. viel zu oft lügen sich die bauern in ihrer zeitung selber etwas vor…

  2. Sandra Says:

    Konkurrenz = bessere Qualität. Was die Bauern in erster Linie brauchen ist eine hochwertige, kritisch-ausgewogene Information. In diesem Sinn wäre eine Fusion schlecht!

  3. ueli ineichen Says:

    auch das noch! ich bin gespannt darauf, wie die penetrant und dauernd auf ‚trauergottesdienst‘ gemachte stimmung im fall einer fusion von BZ und SB noch verstärkt werden könnte. eigentlich nur noch durch die weiterhin ungefilterte publikation von staatlichen erlassen.
    da bleibt nur noch der ausweg über die welsche agrarpresse (‚Agri‘, etc.). freiwillige übersetzer vor!
    ueli ineichen

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