Serie(2): Heuen mit Laubbläser auf dem Prüfstand

Der Agroblog ist weiterhin im Spargang, wobei dieser schlecht mit Hitze begründbar ist. Anyway, wir widmen uns heute dem Heuen, leider im Moment ein bisschen ein Va-Banque-Spiel. Inspiriert hat mich eine weitere Serie, diesmal von unserem Service Public, genauer den Regionaljournals von Schweizer Radio (man zahlt ja immerhin kräftig Gebühren und fühlt sich deshalb mehr als berechtigt, sich zu bedienen). Die Geschichten aus der Serie Schneller – Lüüter – Schöner befassen sich mit den genannten Steigerungsformen. Im Bereich Lüüter, also lauter, für alle germanischen Leser, befasste man sich kürzlich mit einem Bauer, der wie immer mehr seiner Kollegen zum Heuen in steilen Lagen einen Laubbläser benützt (hier gehts zum Beitrag). Ich muss sagen, dass ich den Laubbläser bisher für ein wenig gefreutes Gerät hielt, etwa dann, wenn unser Kolonie-Abwart mit Getöse feuchte Blätter entfernen wollte, die so fest kleben, dass er ohne sichtbares Ergebnis einen Kanister Benzin verbrennen musste. Item, im Berggebiet könnte so ein Laubbläser aber jetzt durchaus Sinn machen, scheint es mir. Namentlich, wenn man dadurch einen halsbrecherischen Einsatz mit Terratrac oder Reform Muli vermeiden kann. Allerdings, und das ist auch irgendwie wieder typisch und herzerwärmend schweizerisch, muss die Sache jetzt zunächst einmal wissenschaftlich getestet sein. Agroscope und Pro Natura untersuchen, ob durch den Gross-Föhn allenfalls Heugümper und anderes Getier weggeblasen und dadurch unbotmässig gestört werden könnten. Daneben gabs allerhand Proteste wegen Lärm, berichtet Bauer Odermatt (oben rechts im Bild). Von den Klägern habe sich allerdings niemand bereit erklärt, selber zum Rechen zu greifen, um den Bläser zu ersetzen. Eine schöne Sommergeschichte. (Bild SRF) 

8 Antworten to “Serie(2): Heuen mit Laubbläser auf dem Prüfstand”

  1. FischerIon Says:

    Dank für den Tip.
    Könnte funktionieren. Aber: schon mal dieses Heu gerochen nachher? Meinem Veh würd ich das nicht zumuten. Riecht etwas unbotmässig…

  2. adi Says:

    Ich meine, der Rucksackföhn ist nach der Erfindung der Melkmaschine die nächstbeste Erfindung für die Landwirtschaft! Für die Arbeit, welche ich mit dem Gerät heute verrichten kann, brauchte ich früher 3 weitere tüchtige Helfer. Ist halt nicht mehr so romantisch aber ziemlich effizient. Allfällige Lärmstänkerer sind herzlich zur „handlichen“ Heuernte eingeladen.

  3. Heidi Says:

    Lieber Adi, du solltest bei deinem Kolonie-Abwart einmal näher ran gehn! Dann würdest du den Staub in der Nase spüren und vor allem hättest du die Nase voller Abgase, und die Lungen auch. Oder versuch’s bei einem Bauern! Wenn dir der Wind um die Ohren pfeift (im Berggebiet so häufig wie die steilen Hänge), hast du auch zwischendurch einen Heuwusch im Gesicht. Bei Silo- und Heubelüftungsgras (im Berggebiet ebenfalls häufig) ist der Laubbläser gar nicht so schnell. Jenen Bauern, die es immer noch nicht wissen, dass Gehörschutz nötig ist, denen werden die Steuerzahler irgendwann einmal Direktzahlungen für Hörgeräte ausrichten müssen. Die Laubbläser blasen auch den Frühling ein, denn beim ersten zarten Frühlingserwachen, setzten auch sie ein, alle Blätter müssen weg vom Waldrand, denn ein fliessender Übergang von Wald zu Wiese (eines der wertvollsten Biotope) darf nicht sein!
    Und soooo viel Zeit spart man wirklich nicht. Die Bauern hatten früher Heugabeln zum wenden (Heuwender und -schwader waren wohl bessere Erfindungen als der Rückenföhn). Clevere Bauern bugsierten das Heu von oben her mit der Heugabel nach unten. Übrigens: Hast du in einer Reklame für die Landwirtschaft oder deren Produkte je einmal einen Laubbläser gesehen? Nein, obwohl sie schon lange zur „guten landwirtschaftlichen Praxis* gehören. In der Werbung sind sie noch unübersehbar, die guten alten Rechen.
    Die Teilzeit- und Hobby-Bauern erfreuen die Touristen und Nachbarn vorwiegend am Wochenende und Abend mit ihrem Getöse. Als ich noch sehr klein war, mahnte mich mein Vater: „So, schlaf jetzt endlich, hast du gehört?“ Heidi: „Ja, Alphorn ghört!“ Das war unser Nachbar. Die Zeiten ändern sich!

  4. hulk Says:

    Heidi:

    In Zeiten, wo der Bauer für ein Kilogramm silofreie Milch noch ca. 53 Rappen bekommt, ist auch die kleinste Zeit- (Geld-) einsparung von bedeutung.

    Übrigens:

    Detailhändler machen schon seit Jahren mit falschen Tatsachen Werbung für ihre Labels.
    Plakate von TerraSuisse vermitteln oft einen zu idyllischen Eindruck der Landwirtschaft und gaukeln dem Konsumenten eine heile Welt vor.

  5. wiskemann urs Says:

    heubläser oder nicht, darüber sollen die bergbauern entscheiden, wenns wirklich sinn macht und nicht zuviel getier und erde das bord ab bläst.
    was mich schon seid jahren nervt in den bergen: es wird geheut, bei heissem wetter natürlich, und der bauer fährt mit dem ladewagen das heu ein.
    daneben darf seine frau oder mutter den schlepprechen rauf und runter schleppen bei 30 grad am schatten. das ganze für ein paar kilo heu! würde sagen sie könnte in dieser zeit effizientere dinge tun oder maschinel etwas zum heueinbringen beitragen aber ist halt auch so ein alter zopf…..

  6. adi(nicht krebs) Says:

    Heidi:
    Kolonie-Abwart?!
    Tut mir leid ich bin mein eigener Kolonie-Abwart auf meinem eigenen Land mit eigenem Heu, eigenem Rechen und eigenem Laubföhn. Bei einem Punkt kann ich dir recht geben, gegen den Wind greife ich auch auf den alt bewährten Rechen zurück.
    Zu deinen übrigen Bemerkungen äussere ich mich lieber nicht…
    Wie gesagt, die Einladung gilt immer noch….
    wiskemann Urs:
    Ganz deiner Meinung! Stunden langes nachrechen sollte wirklich langsam aber sicher aus dem Landschaftsbild verschwinden.

  7. adriankrebs Says:

    Liebe KommentatorInnen, bin beeindruckt vom Echo auf die dröhnende Heu-Hilfskraft, werde die Sache angesichts des überdurchschnittlichen Interesses scharf weiterbeobachten. Gruss vom Agroblog-Abwart

  8. Heidi Says:

    Le matin Dimanche vom 7. August: „….Outre-Sarine, le débat fait rage entre une partie des agriculteurs qui voient le souffleur comme un moyen de rationaliser leur travail, et les défenseurs de la nature qui craignent de voir de nouvelles espèces végétales disparaître. En Suisse romande, on s’étonne du recours au souffleur: «Je n’avais jamais entendu parler de cette technique, même en montagne», réagit Willy Giroud, président de la Chambre valaisanne d’agriculture. Même surprise au magasin spécialisé Landi, à Penthalaz (VD): «Nous ne vendons pas de souffleur et personne ne nous en demande. Je pense que le râteau a encore de beaux jours devant lui.“

    http://archives.lematin.ch/LM/LMD/-/article-2011-08-38/c8217est-surtout-a-l8217automne-et-sur-le-dos-des-employes-communaux-qu8217on-a

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