CanadAgventure(7): Lessons in diversity

Angesichts der fortgeschrittenen Stunde bietet der Agroblog erneut ein bilderreiches und relativ textarmes Konzentrat eines abwechslungsreichen Tages. Wir fahren heute – es ist immer noch der IFAJ-Kongress – auf dem Weg quer durch Ontario Richtung Lake Huron. Der Tag beginnt mit einem Farmers Market in St. Jacobs. Das Highlight ist dort neben einer unglaublich aromatischen Tasse Schwarztee der Marke „Irish Breakfast“ aus dem Kartonbecher (mit integriertem Filter zwecks Abhaltung des Krauts) die Viehversteigerung. Der Gantrufer ist ein Poet, sein atemloser Singsang – unterstrichen von ein paar Handzeichen – dauert rund 20 Sekunden, und schon ist das nächste Stück Vieh an der Reihe. Beeindruckend tief sind wie immer die Fleischpreise. Die besten Stücke, das T-Bone oben in der Mitte etwa, gibts für gut 20 Franken das Kilogramm ( in der Heimat schätzungsweise ein knapper Hunderter). Allerdings bin ich arg enttäuscht, als mir der Metzger erläutert, dass die Tiere ohne Auslauf auskommen müssen. Mein Kollege Lorne McClinton (im Bild), der unter anderem für das John-Deere-Magazin Furrow arbeitet, klärt mich auf: In Ontario findet Tierhaltung praktisch ausschliesslich in Hallen und Ställen statt. Ganz anders in den weiten Prärien von Manitoba, Saskatchewan und Alberta. Dort weidet das Schlachtvieh unter freiem Himmel auf Ranchland und wird in sogenannten Feedinglots in den letzten 6 Monaten des zweieinhalb Jahre dauernden Lebens ausgemästet. Ein interessantes System, das hier sicher nochmal zur Sprache kommen wird. Dass Ontario Indoor-lastig ist, bestätigt sich wenig später beim Besuch in einem Schweinebetrieb, dieser ist weiträumig abgesperrt. Aber es sieht nicht nach Freilandhaltung aus. Die Schweinehalter haben den „Perfect storm“ hinter sich, wie uns der ehemalige Präsident der kanadischen Branche vor der Kaffeepause erklärt. Er habe nie so viel geweint, wie in seinem letzten Jahr als Obmann. Die exportorientierte Produktion verminderte sich innert 5 Jahren um 25 Prozent. Hauptgrund: Die Erstarkung des Kanadadollars (Can$)  gegenüber der US-Währung. Bis vor zehn Jahren erhielt man für einen Can$ rund 70 US-Cents, heute gilt er rund 1.10 US$. Doch lange vergiesst man hier keine Tränen. „We reduced costs“, sagte Alt-Präsident Schlegel: 20 Dollar pro Zuchtsau und Jahr, das tönt bescheiden, aber es ist symptomatisch. Im hiesigen Agrobusiness wird gerechnet, bis auf den Dime. Der Milchproduktion geht es da deutlich besser. Die Mengensteuerung durch die Produzenten (siehe auch CanadAgventure(2)) ist eine Erfolgsgeschichte (mehr dazu hier), auch wenn sie für ein Land aus der Cairns-Gruppe, das sich an sich für Freihandel ins Zeug legt, etwas unorthodox erscheinen mag. Auf der Athlone Farm liegt der Stalldurchschnitt bei 10980 Kilo Milch pro Kuh und Jahr, und eine erstgekalberte Kuh, so berichtete uns Dairyfarmer Brian Anderson, gebe schon mal 13000 Kilo, da staune er jeweils selber, wo all diese Milch herkomme. Eine weitere Erfolgsgeschichte sind die kanadischen Landwirtschaftskooperativen. Wir besuchen den Leguminosenverarbeitungsbetrieb Hensall District Cooperative, die siebtgrösste landwirtschaftliche Genossenschaft des Landes. 4200 Bauern, 460 Millionen Dollar Umsatz jährlich. Die Genossenschaft vermarktet im Auftrag der Bauern Soja, Mais, Weizen und diverse Speisebohnen. Der Fokus liegt auf GVO-freien Sorten für den europäischen und japanischen Markt. Mich erstaunt dass die Bauern hier diese Nische mit einer solchen Selbstverständlichkeit besetzen. Angesichts der stattlichen Prämien (90 Cents bis 4 Can$, je nach Produkt) pro Bushel (60 Pfund, bzw. rund 27 Kilo) sind eine ansprechende Belohnung. Dazwischen ein farblich attraktiver Besuch in der Apfelplantage der Martin Family und zum Schluss ein Bedli im Lake Huron. A nice day and a lesson in diversity ( In Ontario werden rund 200 Kulturen angebaut). 
     

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