CanadAgventure(Epilog): Are the farms alright?

Längst wieder zuhause ist mir via Facebook ein Link zugeflogen (thanks Janet!). Er führt zu einem lesenswerten langen Artikel im Magazin Walrus und heisst „The farms are not all right„. Der Text eignet sich gut für einen kleinen Epilog zur Kanada-Reise. Autor Chris Turner wirft aus der Perspektive des städtischen Konsumenten einen Blick auf den Zustand der Landwirtschaft in der Provinz Alberta. Ausgehend von der Geburtstagsparty seiner Tochter zeichnet er ein düsteres und zugleich verhalten optimistisches Bild der Landwirtschaft in seiner Heimat. Die Farmer, die er besucht, kämpfen mit den gleichen Problemen, wie die Kollegen hierzulande. Sinkende, beziehungsweise stark schwankende Produktepreise, tendenziell steigende Kosten für die Produktionsfaktoren, Überalterung der Produzenten, Vernachlässigung der Forschung für die nachhaltige Bewirtschaftung der Erosions- und Verschmutzungsgefärdeten Produktionsgrundlagen und eine Konsumentenschaft, die immer noch mehrheitlich über den Preis einkauft. Diese Probleme sind besonders virulent bei den Produkten, deren Preis vom volatilen Weltmarkt diktiert wird, so wie Getreide, Mais, Rind- und Schweinefleisch. Ich erinnere mich an den Schweinehalter, der vom „Perfect storm“ auf den Märkten berichtete (siehe CanadAgventure7), der Tausende von Kollegen in den Ruin trieb. In den Sinn kommt mir aber auch der Milchproduzent, der stolz davon berichtete, wie er seine Töchter dank dem hohen Milchpreis in die Privatschule schicken konnte (siehe CanadAgventure2). Selbst die Milchproduzenten sind aber trotz stabilen Erlösen nicht vor Engpässen gefeit. Die Einkommensunterschiede sind riesig und zahlreiche Betriebe zehren von der Substanz. „Canadas cheap food policy has produced an agribusiness sector that broadcasts the mixed signals of a system under severe stress“, bilanziert Autor Turner. Das ist nicht nur die Folge der Wechselkursproblematik (stark gesunkener US-Dollar), der die exportorientierte kanadische Landwirtschaft stark belastet und des ruppigen Klimas zwischen Neufundland und British Columbia sondern auch der Auswirkungen von intensiven Produktionssystemen – zum Beispiel Tierseuchen und zunehmenden Resistenzen gegen Pflanzenschutzmittel. Turner zeigt uns auch einige ermutigende Beispiele, zum Beispiel von Farmern, die dank Extensivierung Kosten senken und von erstarkenden Local-food-Movements (siehe CanadAgventure4) profitieren können, und deshalb zumindest vorläufig all right sind. Er benutzt in diesem Zusammenhang den schönen Begriff der Locovores. Allerdings ist der Anteil der bewussten Konsumenten nach wie vor verschwindend klein. Unter dem Strich bleibt das Bild eines Sektors, der trotz den zumindest flächenmässig grosszügigen natürlichen Voraussetzungen hart um das Überleben kämpft. Ich kann mich Turners Schlussfolgerung nur anschliessen: „We all owe the Canadian farmers a great debt of gratitude for doing a vital, literally live-giving job few of us are willing to do for ourselves“. (Illustration Scott McKowen, The Walrus)

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