Innerbäuerlicher Hosenlupf auf dem Kulturland

„Denn sie wissen nicht, was sie tun!“ titelte der „Schweizer Bauer“ (SB) am Samstag seinen Kommentar auf Seite 3. Hoppla, wer kommt denn da an die Kasse, fragt sich der geneigte Leser. Normalerweise sind es der Bundesrat, das Bundesamt für Landwirtschaft, die Behörden ganz generell, die Grossverteiler oder die Umweltschützer, die hier vom „Bauern-Blick“ die Leviten gelesen erhalten. Aber heute, man staunt, müssen die Bauernpolitiker, namentlich die von der SVP dran glauben, allen voran eine der Ikonen des ländlichen Raums, Hansjörg Walter, seines Zeichens Präsident des Bauernverbands (SBV). Obwohl der SB keine Verbandszeitung ist, sind solche Anwürfe selten. Man hält zusammen zwischen grüner Presse und Bauern-Lobby, den verbalen Zweihänder spart man sich wenn überhaupt eher für das Hinterzimmer. In diesem Fall geht es um die Landschaftsinitiative, beziehungsweise den milden Gegenvorschlag, der eine Mehrwertabgabe für Umzonungsgewinne vorsieht. Dieser ist vergangene Woche im Nationalrat diskutiert worden und unter anderem am praktisch geschlossenen Nein der Landwirtschaftsvertreter gescheitert. Einzige Gegenstimmen im bäuerlichen Nein-Chor bildeten SBV-Direktor Jacques Burgeois (FDP, FR) und Laurent Favre (FDP, NE). Die markigen Worte des „Schweizer Bauern“ an die Adresse der parlamentarischen Lobbyisten sind mehr als gerechtfertigt (rechts im Bild der ganze Text zum anklicken, da leider nicht online erhältlich). Die Bauernvertreter verpassen keine Gelegenheit, um den Kulturlandverlust zu beklagen, wenn es aber ums Eingemachte oder eben eine Verschärfung der Raumplanungsgesetzgebung geht, dann ziehen sie den Schwanz ein. Argumentiert wird dann, wie dies SVP-Präsident und Landwirt Toni Brunner ein paar Seiten weiter hinten in der gleichen Ausgabe des SB tut, mit alten Totschlag-Argumenten. Bei der Mehrwertabgabe handle es sich um ein „sozialistisches Instrument“, erklärt Brunner. Er schlägt stattdessen vor, man solle den Schutz des Waldes lockern. Das Kulturland sei nämlich vor allem durch dessen Wachstum und durch Renaturierungen bedroht, durch die „zig Hektaren beste Böden zerstört werden“. Ziemlich schwache Argumente, wenn man weiss, dass immer noch ein Quadratmeter Kulturland pro Sekunde durch Bautätigkeit versiegelt wird. Die inkonsequente Haltung der bäuerlich-bürgerlichen Phalanx hat zwei Hauptgründe: Erstens muss man die Gewerbler, namentlich die Baugewerbler in den eigenen Reihen bei Laune halten. Zweitens ist immer noch manch ein Bauer selber (Bau-)Landhändler und hätte im Falle einer Mehrwertabgabe mit empfindlichen Einbussen auf seinen Gewinnen zu rechnen.    

2 Antworten to “Innerbäuerlicher Hosenlupf auf dem Kulturland”

  1. FischerIon Says:

    Ein Phalanx also. Gut. Wieder mal ein neues Wort gelernt (da in Wikipedia nachgeschaut..:-)

    – Heiss geräuchter Phalanx
    – Phalanx-Filets à la bordeliaire
    – Phalanx am Stück
    – Pfannenfertiger Phalanx an Preiselbeer-Marinade …

    …hkm..

  2. FischerIon Says:

    PS2: Sogar einE Phalanx (f.). Noch besser.

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