Urban Farmers: Hors-sol, rehabilitiert

Ich komme hier ein wenig wie die alte Fasnacht. Über Urban Farmers, eine Spin-Off-Firma der ZHAW Wädenswil, haben sich Tages- und Agrarjournalisten schon bis weit über die Grenzen hinaus die Finger wund geschrieben, wie man auf der Website des Zürcher Jungunternehmens sehen kann. Das soll mich nicht hindern, hier auch noch ein paar Hauptsätze zu diesem interessanten Geschäftsmodell zu verlieren, nachdem ich es hier einmal in ein paar Nebensätzen abgefertigt hatte. Es gibt immerhin auch einen aktuellen Anlass, hat doch gestern Geschäftsführer Roman Gauss einen recht inspirierten Vortrag gehalten, dem ich eher zufälligerweise beiwohnte. Die Idee, brach liegende Dächer zu bewirtschaften, ist nicht ganz neu, schon vor zwanzig Jahren bauten Agronomen auf den Dächern von Zürich allerhand Kulturen an, mit denen sie sich selbst versorgten. Urban Farmers will dies nun professionalisieren. Gauss erzählte, alleine in der Stadt Basel habe man freie Dachflächen in einem Umfang geortet, welche die Ernährung von 4000 Menschen erlauben würde. Zum Team gehören laut Gauss aus Statiker, die dafür sorgen, dass die Stadt unter der Last der Landwirtschaft nicht zusammenbricht. Viel realisiert hat Urban Farmers im grossen Stil noch nicht, aber diesen Sommer immerhin erste Spuren im Zürcher Stadtbild hinterlassen. Der oben abgebildete Container stand eine Weile am See beim Bürkliplatz. Oben findet sich im Treibhaus Salat, unten im Container ein Fischbecken. Das Wasser zirkuliert, die Fische ernähren mit ihren Ausscheidungen den Salat, oder was auch immer angepflanzt wird an Gemüse. Das hier auf kleinem Raum komprimierte System – man könnte es in jeden Hinterhof stellen, sofern er nicht zu schattig ist – nennt sich Aquaponics und soll die Grundlage bilden für die Anlagen in spe. Interessant finde ich, dass Aquaponic ein Hors-sol-System ist. Vor einigen Jahren führte man noch engagierte Diskussionen darüber, ob der bodenlose Anbau in der Landwirtschaft legitim sei, oder nicht. Heute lockt das Thema keinen müden Hund mehr hinter dem Ofen hervor. Ich finde Hors-sol schon lange akzeptabel. Ein geschlossenes System macht Sinn, aus ökologischen und ökonomischen Gründen. Aber es geht trotzdem nichts über eine frische Freilandtomate, von mir aus auch vom Dach.

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