Wahlkampf11: Müde Sprüchli und ein Mantra

Die Bauernzeitungen zu lesen ist dieser Tage kein Vergnügen, es gibt kaum eine Seite, wo einem nicht penetrant ein Kandidat, manchmal sogar eine Kandidatin, ins Gesicht gedrückt wird, den oder die man doch bitte in den National- oder Ständerat wählen möge. Das nicht etwa nur in der Inserateabteilung, sondern auch im redaktionellen Teil, wo sich die Räte in spe in den schönsten Farben selbst anpreisen dürfen. Ich bin überzeugt, dass am Wahlabend erneut eine kräftige bäuerliche Vertretung von weit über 10 Prozent aller Sitze stehen wird. Das ist ein erstaunliches Phänomen, wenn man bedenkt, dass die bäuerliche Bevölkerung noch 2 bis 3 Prozent beträgt. Schade sind die Bauern nur bei den Wahlen so solidarisch. Aber das ist ein anderes Thema. Die Sprüche auf Plakaten und Inseraten sind mässig originell und können nicht der Grund sein, warum auch Nicht-Bauern so häufig LandwirtInnen auf den Schirm heben. Ich habe hier ein paar Beispiele abgelichtet. Die Parteizugehörigkeit spielt eigentlich keine Rolle, da die Sprüche etwa so viel politischen Inhalt haben, wie eine leere Milchkanne. Auffällig ist im übrigen das Mantra von der produzierenden Landwirtschaft, das vor allem bürgerliche KanditatInnen betonen. Da heisst es zum Beispiel „Produktion statt Bürokratie“ oder „Für eine (nachhaltig) produzierende Landwirtschaft“. Viele Bauern wollen immer noch nicht wahrhaben, dass ohne Direktzahlungen für gemeinwirtschaftliche Leistungen, also solche die unabhängig von der Produktion ausbezahlt werden, das Überleben von mindestens der Hälfte der Betriebe wenn nicht mehr ermöglichen. Sie verschweigen auch, dass gerade die produktionsgebundene Stützung die Landwirtschaftspolitik und letztlich den Steuerzahler an den Rande des Ruins getrieben haben. Langsam sollte auch dem wackersten Kandidat einleuchten, dass die Teilnahme an Öko-Programmen ein Betriebszweig ist, wie jeder andere auch; der notabene gut rentieren kann.
 

2 Antworten to “Wahlkampf11: Müde Sprüchli und ein Mantra”

  1. rolandwyss Says:

    mmh, ich überlege mir, wie denn so sein Wahlkampfslogan lauten könnte: „Wir machen mehr aus Ihren Steuergeldern“ oder „Ökowiesen statt Kampfjets“ oder „unser Krampf – Ihre Landschaft“…

  2. Angela Says:

    Achja, ich weiss auch nicht. So langsam freue ich mich, wenn die ganze Werberei vorbei ist. Obwohl ich natürlich stimmen gehe und das auch wichtig finde, ich kanns schon langsam nicht mehr hören😉

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