Wahlen’11: Nicht alle merken es selber

Der Souverän hat gesprochen, beziehungsweise die Stimmzettel beschriftet und eingesandt. Alle vier Jahre wieder trifft es ein paar Volksvertreter hart, dass ihre Zeit im Parlament unfreiwillig abgeschlossen wird. Heuer hats auch drei Bauernvertreter erwischt: Die Herren Bigger, Scherer und Schibli. Das Verdikt der Wählerschaft zeugt von einigem Weitblick. Elmar Bigger (svp.) war auch abgesehen von seinem ohne Bewilligung gebauten Hennenstall und den Wirren um die von ihm präsidierten PMO Ostschweiz eine eher zweifelhafte Figur, die bei den raren TV-Auftritten eher durch derbe Zoten als durch kluge Statements glänzte. Marcel Scherer (svp.) ist auch als Nationalrat vor allem Schweinehalter geblieben, was in einem zunehmend städtisch geprägten Kleinkanton wie Zug mit drei Mandaten eine kurzsichtige Politik ist. Das einzige mal schliesslich, dass uns Ernst Schibli (svp.) in der laufenden Legislatur auffiel, hatte er seinem Geissbock zu verdanken, der von seiner Partei als Maskottchen missbraucht und kurz vor der Wahl „entführt“ wurde. Auch das also ein höchst beschränkter Verlust für die Bauernsame. Etwas anders sieht es aus mit den freiwillig zurückgetretenen Kunz, Hämmerle und Bader. Josef Kunz (svp.) war ein origineller Geist, der trotz erzkonservativer Grundhaltung weit über die Parteigrenzen zu koalieren wusste und dabei den einen oder anderen Erfolg zu verbuchen wusste. Andrea Hämmerle (sp.) war Mister Bio Graubünden und darüber hinaus ein eloquenter Redner mit relativ breitem Horizont. Elvira Bader (cvp.) wiederum war zwar eine unauffällige Hinterbänklerin, aber schaffte es trotz dem Haushalt mit sechs Kindern, ab und zu einen Blick über den Tellerrand zu werfen. Nun also geht es weiter mit einer praktisch unverändert grossen bäuerlichen Delegation im Nationalrat. Laut dem Schweizer Bauer sind es (ohne Waadt, dort zählt man immer noch) 23 Landwirtschaftsvertreter, nach meiner Rechnung einer weniger als bisher. Dazu dürften konservativ geschätzt zwei Waadtländer kommen. Damit hält man mit einem Bevölkerungsanteil von rund 2 Prozent 12,5 Prozent der Nationalratsmandate. Man darf sich auf weitere vier Jahre wehrhaftes Lobbying freuen. (Bilder Monika Flückiger/admin.ch)
PS. Schiblis Abwahl und Markus Ritters Reinwahl im St. Gallischen sind wohl auch wichtige Nebenereignisse im Hinblick auf die demnächst zu bestimmende Nachfolge Hansjörg Walters im nationalen Bauernverbands-Präsidium. Jetzt hat die turnusgemäss präsidiumsberechtigte CVP endlich einen im Nationalrat sitzenden Kandidaten, der sicher will und vielleicht dürfte. Und mit Schibli bleibt ihm einer der möglichen Konkurrenten dank dem Verdikt des Zürcher Wahlvolks erspart.

2 Antworten to “Wahlen’11: Nicht alle merken es selber”

  1. FischerIon Says:

    Schön gesagt. Also, für meinen Geschmack hat dieser Post einen etwas subjektiven Beigeschmack. Aber ok, kann man gelten lassen😉

  2. Sandra Says:

    Könnte (fast) von mir sein! Immer wieder spannend zu lesen, wie Mann ausserhalb des innersten Zirkels denkt😉

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