Die Fleischlobby setzt sich in die Swissnesseln

Diese Woche hat der Schweizer Fleisch-Fachverband (SFF) zum Halali auf die Swissness-Vorlage geblasen. Das ist ein vollkommen unnötiger Schuss in den Ofen und im schlechten Fall ein solcher in den eigenen Fuss. Die Medienkonferenz fand ausgerechnet in Chur statt. Man besichtigte im Bünderischen zwei Fleischtrocknereien und schritt anschliessend zum Lobbying gegen die Swissness-Vorlage, die soeben die nationalrächtliche Rechtskommission passiert hat. Dort wurde bekräftigt, dass sich künftig nur noch Produkte mit dem Schweizer Kreuz zieren dürfen, wenn sie zu 80 Prozent aus Schweizer Rohstoffen bestehen. Eine vernünftige Vorlage, gegen die sich die Lebensmittelindustrie mit Hand und Fuss wehrt, weil sie zum Beispiel behauptet, dass Schweizer Weisswein zu teuer sei, um im Fertigfondue verwendet zu werden. Wenn das der Fall ist, dann hat dieses Fertigfondue das Schweizer Kreuz aber definitiv nicht verdient, finde ich. Nun aber zurück nach Chur. Dort bekräftigten auch die im SFF vereinigten Metzger und die Fleischindustrie ihre Ablehnung der Swissness-Vorlage. Den Journalisten wurde suggeriert, dass die Swissness-Vorlage die Herstellung von „Bündner“fleisch verhindern würde, das ja bekanntlich zu weit über der Hälfte der Produktion aus südamerikanischem und irischem Rohstoff fabriziert wird (siehe dazu dieser interessante NZZ-Folio-Artikel). Die Botschaft ist zwar falsch, wie schweizerbauer.ch sauber recherchierte: Die bereits registrierten Geschützten Geographischen Angaben (GGA oder frz. IGP), und zu denen gehört auch das südamerikanische Bündnerfleisch, könnten auch nach Inkrafttreten der Vorlage als Schweizer Produkt verkauft werden. Das hinderte die Journalisten aber nicht daran, die Mär vom gefährdeten Bündnerfleisch zu verbreiten, was dem SFF offenbar ganz recht war. Ich an meiner Stelle würde mich als Bündnerfleischproduzent ganz ganz ruhig verhalten dieser Tage. Die institutionalisierte und behördlich geduldete Irreführung des Konsumenten sollte man nicht noch an die grosse Glocke hängen. Auch abgesehen vom Bündnerfleisch ist der Kampf der Metzger gegen die Swissness-Vorlage ein Blödsinn. Gerade diese Regelung gäbe ihnen in Zeiten des Local-food-trends die Möglichkeit, sich mit Produkten zu profilieren, die effektiv aus Schweizer Qualitätsfleisch bestehen und nicht aus eingebürgerter Importware. Aber die Metzger sind ja bekannt dafür, dass sie die Entwicklungen bei den Konsumentenbedürfnissen konsequent verschlafen, deshalb sind sie in den letzten paar Jahrzehnten auch zu gefühlten 90 Prozent aus dem Strassenbild verschwunden.

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