Kühe im Herbst(2): Familien- & andere Haltungen

In den letzten Wochen hat das Schweizer Fernsehen der Kuh zwei Dokumentationen aus dem „Netz-Natur“-Stall des Biologen Andreas Moser gewidmet. Im ersten Beitrag „Kuh-Schweiz?“ stehen die Kuh als Klischee sowie die Haltung auf einem Mutterkuh- und auf einem intensiven Milchbetrieb im Mittelpunkt. Interessant, die Sendung bot für einen Kuh-Schweizer wie mich aber wenig Neues. Der zweite Beitrag mit dem schönen Titel „Vom Kuh sein“ ging tiefer. Moser bietet in diesem Sammelsurium unter anderem aufschlussreiche Einblick in die Verhaltenskunde. Besonders aufgefallen sind mir zwei engagierte Halter: Martin Ott vom auch anderweitig interessanten Rheinauer Gutshof Fintan  erklärt die Bedeutung der Hörner in der Kuhkommunikation (oben im Bild mit Holzhörnern). Der Kuh die Hörner wegzunehmen, sei etwa so, wie wenn man beim Menschen ein bisschen an der Zunge rumbastle, sagt Ott sinngemäss. Er plädiert für das Belassen des Kopfschmucks und erhält dabei Unterstützung von Heinz Morgenegg, Biobauer auf dem Bolderhof im schaffhausischen Hemishofen (Bild rechts und ganz unten), der seiner Herde nach einer hornlosen Phase wieder Hörner wachsen lassen will. Noch fast interessanter fand ich die Ausführungen Otts und Morgeneggs zur Muttergestützten Kälberaufzucht (Ott) beziehungsweise zur Familienhaltung (Morgenegg). In beiden Betrieben dürfen die Kälber bei Milchkühen saugen. Damit schlägt man mehrere Fliegen auf einen Streich: 1. Die Kälber werden den Müttern nicht sofort oder nach einem Tag weggenommen, wie dies in den meisten Milchbetrieben üblich ist. 2. Man spart sich die aufwendige Tränke-Arbeit, bei der man vor allem am Anfang immer darauf schauen muss, dass das Kalb die richtige Milch erhält. 3. Die Tierarztkosten werden reduziert, weil die Kälber während Monaten die Milch ihrer Mutter in der richtigen Temperatur erhalten und so immunisiert werden. 4. Die Kälber werden schön rund, was vor allem im Mastfall wichtig ist. 5. Die Milch kann mit Verweis auf die naturnahe Haltung mit einem Aufpreis vermarktet werden. Unter dem Strich eine ökonomisch-ökologische Win-Win-Situation. 
Für beide Filme zusammen braucht man gut eineinhalb Stunden, ideales – mindestens „Tatort“-ebenbürtiges – Sonntagsvergnügen, würde ich sagen. (Bilder Video-Stills aus „Vom Kuh sein“) 
PS. Auf Facebook hat Ursina eine interessante Ergänzung gemacht. Sie schreibt:  „Zum Thema „Milchteilet“ eine Rarität aus dem Zentralmassiv: Die dort heimische Vache Salers, die lässt die Milch erst gar nicht runter, bevor nicht das Kalb am Euter war. Was dem Menschen übrig bleibt an Milch, wird zu Salers AOC verarbeitet – eine Köstlichkeit! http://www.aop-salers.com/vache“. Merci vilmal! Und zur Illustration hier noch ein Bild von der Vache Salers, heimatberechtigt in der Auvergne.

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