Die sinkende Halbwertsdauer der Agropreise

Herbstzeit ist nicht nur Erntezeit, sondern auch Preissaison. Der Re(i)gen von Auszeichnungen, der in dieser Zeit auf die Bauernsame niederprasselt ist geradezu inflationär. In den letzten Wochen wurden verteilt, halten Sie sich fest: Der Agro-Preis für Innovationen in der Landwirtschaft (oben die Gewinner von Migis Schoggigädäli), der Suisse-Tier-Wettbewerb für drei bäuerliche Innovationen und vier gewerbliche Neuheiten, der Agro-Star Suisse für Persönlichkeiten, die sich in besonderer Weise um die Schweizer Landwirtschaft verdient gemacht haben, die Medaillen im Schweizer Wettbewerb der Regionalprodukte und der Bio Suisse Förderpreis für Innovationen in der Bio-Landwirtschaft. Seien Sie ehrlich: Haben Sie von irgendeinem dieser Wettbewerbe einen Sieger, eine Gewinnerin in Erinnerung? Wenn Sie nicht grad in der Jury von einem dieser durchaus ehrenwerten Kompetitionen sitzen, dann doch wohl eher nicht. Das ist genau das Problem dieser wuchernden Prixitis. Ob all der Auszeichnungen vermindert sich die Halbwertszeit einer jeden einzelnen. Die 15 Minuten Berühmtheit, die der legendäre Pop-Artist Andy Warhol für jeden einzelnen unter uns prognostiziert hat, drohen in der Landwirtschaft trotz diesem bescheidenen Plattförmchen gegen null zu streben. Dies wird noch gefördert dadurch, dass praktisch ein jeder dieser Wettbewerbe mehrere Gewinner auszeichnet, mit Ausnahme des Agro-Stars. Und trotzdem weiss kein Mensch mehr, dass dieser 2011 von John Dupraz (oben rechts)abgeholt wurde. Migis Schoggigädäli (siehe ganz oben) hat noch die eine oder andere Kurzmeldung in der überregionalen Presse erhalten. Ob der Bio-Förderpreis über die Agropresse hinaus irgendeine spürbare Welle schlug, wage ich zu bezweifeln. Dem Preisfass den Boden aus schlägt aber der Wettbewerb der Regionalprodukte, wo 274 Medaillen verteilt wurden. Das Gewinnerbild unten, das an die Erinnerungsfoto von einer Klassenzusammenkunft erinnert, zeigt nur die Siegerinnen im Bereich Backwaren. Da wäre – um wieder einmal die alte Platitüde zu bemühen – weniger definitiv mehr. (Alle Bilder pd)

3 Antworten to “Die sinkende Halbwertsdauer der Agropreise”

  1. Bucher René Says:

    Hey Adi, hat etwas Wahres Dein Artikel. Möchte aber dennoch darauf hinweisen, dass sich die Halbwertszeit, oder die Lebensdauer des Wettbewerbs selbst, mit 20 Jahren beim agroPreis sehen lassen kann.

  2. Stephan Jaun Says:

    Danke, Adi, für die Gelegenheit. Der Bio Suisse-Förderpreis findet laufend steigende Beachtung – so auch in deinem Blog🙂
    http://www.1815.ch/wallis/aktuell/foerderpreis-fuer-leuker-bio-rebbau–44780.html
    Grüessli

  3. Jonas Ingold Says:

    Das ist noch nichts gegen die World Cheese Awards. Die Liste der Medaillen-Gewinner umfasst 64 Seiten…

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