Auch die Kleinen haben SAKgeld zu gut

Hinter und zeitweise vor den Kulissen feilschen die Agrarlobby und ihre Widersacher derzeit um die Ausgestaltung der künftigen Landwirtschaftspolitik. Revolutionäres ist nicht geplant. Das Haus steht, aber man will etwas besser isolieren und nicht mehr jeden kostenlos darin wohnen lassen. Mit anderen Worten, das System soll ökologisiert und der Bezug von Direktzahlungen (DZ) noch stärker an konkrete Leistungen gebunden werden. Ein weiteres Ziel des ungeschliffenen Pakets von AP (Agrarpolitik) 2014/17 war die Erhöhung der Bezugslimite von 0,25 auf 0,4 SAK. Dabei handelt es sich um sogenannte Standartarbeitskräfte. Damit nicht jeder Schrebergärtner Direktzahlungen beziehen kann, schreibt der Bund vor, dass mindestens 0,25 Mann oder Frau auf dem Betrieb Arbeit finden muss. Dies berechnet er wie in dieser Tabelle oder auf dem Bild unten dargestellt. Eine Hektare Nutzfläche bringt 0,028 SAK, eine Milchkuh 0,043. Wenn einer also vier Milchkühe auf vier Hektaren hält, so schlägt das mit 0,284 SAK zu Buche und der Betrieb ist DZ-berechtigt. Sind es hingegen vier Mutterkühe (à 0,03 SAK) auf vier Hektaren resultieren lediglich 0,232 SAK und damit kein Anrecht auf Bundes-Manna. Ganz im Gegensatz zu einem Rebbaubetrieb mit einer Hektare Trauben, der wegen hohem Arbeitsaufwand ganz ohne Tiere mit 0,3 SAK abgegolten wird. Item. So wie es jetzt aussieht ist die Erhöhung der SAK-Limite am Widerstand der Branche gescheitert. Darüber kann ich mich im Gegensatz zu vielen anderen Beobachtern kein bisschen aufregen. Kleinere Betriebe wirtschaften nicht a priori weniger ökonomisch oder ökologisch als grössere. Oft ist das Gegenteil der Fall, denn sie haben dank dem meistens vorhandenen Nebeneinkommen weniger ökonomischen Druck, was ihnen eine extensivere und damit in der Tendenz ökologischere Produktion erlaubt. Der Strukturwandel in Richtung grössere Betriebe wird dadurch zwar gebremst, aber Vollerwerbs-Betriebe, deren einzige Wachstumsleistung darin besteht, die Fläche und damit den Direktzahlungsbezug zu vergrössern, sind strategisch nicht besonders zukunftsträchtig ausgerichtet. Vielversprechend sind dagegen Betriebe, wo – möglicherweise auch gemeinsam mit Kollegen – versucht wird, einen mit Hilfe von (zusätzlichen) Verarbeitungsschritten möglichst grossen Teil der Wertschöpfung der Produkte auf dem Betrieb zu halten. Damit nimmt auch die Abhängigkeit von den Rohstoffpreisen ab. (Bild oben Marcel Bieri/Keystone)

4 Antworten to “Auch die Kleinen haben SAKgeld zu gut”

  1. FischerIon Says:

    Für mich als Nicht-Landwirt ein sehr interessanter Artikel, bin ich doch derzeit anderweitig mit dieser Thematik konfrontiert.
    Frage an den/die Spezi(s):
    Was stimmt, wenn ein Landwirt ein weiteres, nicht landwirtschaftliches Tätigkeitsfeld auf seinem Hof erschliesst, blödes Beispiel, z.Bsp. Schlangenzucht (=Wildtiere, nicht Nutztiere), er dann somit:
    a) einen SAK-Abzug hinnehmen muss (sozusagen Strafzoll)?
    oder
    b) mit der Schlangenzucht SAK-neutral ist, also einfach keine SAK-Beiträge kriegt?
    Vielen Dank für die kurze Klärung und BG

  2. adriankrebs Says:

    Gute Frage, bin ja kein Agrarrechtler, aber Strafzoll kann ich mir jetzt nicht vorstellen, tippe eher auf neutral, nehme nicht an, dass Schlangen als Spezialkultur durchgehen…

  3. Wyss Hans Says:

    Als Kleinbetrieb ( 5.06 ha, 0.58 SAK , Vollerwerb) sind die SAK Zahlen zu hinterfragen, weil bei uns die Arbeitsleistung viel höher ist, da ich z.B.keine Tiere verkaufe, sondern das Fleisch direkt den Kunden liefere. Ebenso ist es beim Gemüse ( Kartoffeln, Randen Sellerie, Zwiebeln, kürbis, Rüebli etc. ) oder Eier oder Obst.
    Fact ist : ich kann davon leben ( im Extremfall ohne Direktzahlungen)
    Fact ist : will ich etwas bauen ( z.B.Stall – Tierschutzanpassung )
    gibts keine Baubewilligung mehr!! Betrieb abgestellt

    Schlangen haben wir auch, habe noch keine Absatzoptionen gefunden

    Übrigens mein Bio Kollege hat auch einen Gemüsebetrieb ( 0,6 SAK das heisst Stanartsarbeitskräfte!) hat aber 2 Arbeitskräfte während derSaison ( März bis November ) fest und legal angestellt.

  4. adriankrebs Says:

    @Wyss Hans Das bestätigt genau meine These. Kleinstbetriebe haben durchaus ihre Berechtigung. Hart wenn Dir dann sogar bei der Bewilligung Knüppel zwischen die Beine geworfen werden, wenn Du Ausbauen möchtest. Was ich nicht ganz checke: Schlangen. Hast Du Vipern im Garten oder eine Schlange von Kunden, die mehr Produkte möchten?

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