Adve(r)ntedankfest(17/18/19): Meu Mercat

Ich weiss, es ist ja ökologisch nicht gerade sinnvoll, so schnell auf ein Wochenende wegfliegen, aber wir habens trotzdem wieder mal gemacht: Zwei schöne Tage in Barcelona. Es war prächtig sonnig aber nicht mehr Strandwetter. Ideale Verhältnisse für Marktbummel. Und diese lohnen sich in Barcelona ausgesprochen. Mein Liebling – meu mercat, oder so ähnlich in katalanisch – ist der Sant Josep an den Ramblas. Gross, wenn auch nicht gigantisch und ein unglaubliches Schaufenster für die spanische Nahrungsmittelproduktion. Der Markt findet täglich statt und besteht aus fest installierten Ständen unter grossen alten Gibel-Blechdächern auf einer spektakulären Metallkonstruktion. Ich habe mir das Sortiment ein bisschen angeschaut. Angefangen mit dem Fleisch. Die Spanier machen – das muss man bei allem Respetto für Prosciutto Crudo festhalten – den besten Rohschinken, den ich kenne. Der Jamon iberico kommt in verschiedenen Qualitäten und enormen Preisunterschieden. Die Topqualität ist kommt vom Cerdo iberico, dem schwarzhaarigen iberischen Schwein, das auch schwarze Klauen hat. Deshalb heisst dessen Schinken Pata Negra. Zwecks Beweis kommt der Schinken deshalb immer mit Klauen auf den Markt. Innerhalb der Pata Negra gibt es noch einmal gewaltige Unterschiede. Das Beste ist, wenn ich Tico, unseren Schinkenpapst (oben im Bild), richtig verstanden habe vom Eichel(Bellota)-gemästeten cerdo iberico und ist rund fünf jährig. Dann kann man noch ein bisschen mehr zahlen für die besten Marken. Der Pata Negra-Schinken wird stark label-bezogen vermarktet. Wir haben uns ein halbes Kilo geleistet für 80 Euro. Der Schinken ist unglaublich, der intensive aber nicht zu salzige Schinken-Geschmack bleibt dank hohem Gehalt an intramuskulärem Fett lange im Mund zurück, kann man sich in homöpathischen Dosen zuführen, ist aber nicht einfach. Im weiteren ist mir aufgefallen, dass die Spanier so etwas wie die Chinesen Europas sind. Sie essen eigentlich alles, auf den Tisch kommen zum Beispiel 14-tägige Ferkel am Stück aber auch sämtliche Inner- und Äussereien, die das Herz begehrt, oder allenfalls auch nicht. Dazu gehören unter anderem die bekannten spanischen Nierli, die interessanterweise mehr Kosten als das daneben placierte Hirni. Auch im Fischbereich und Krustentierbereich ist das Angebot sehr umfassend. So gibt es zum Beispiel ganze Stände, wo nur gesalzener Kabeljau verkauft wird. Ich möchte bei dieser Gelegenheit eine kleine Lanze für den Bacalao brechen. Er ist bei richtiger Zubereitung ein enorm feiner Fisch mit viel Struktur und Geschmack. Wer das z.B. in Zürich testen möchte, dem empfehle ich den Klassiker Brandade di Baccala im Restaurant Italia. In Barcelona lohnt es sich, im empfehlenswerten Restaurant „7 Portes“ den Bacalla, wie ihn die Katalanen nennen, à la „Sra. Carmen“ zu verspeisen. Gebacken im Knoblauchmantel, dazu ein Tomatencoulis, ein Gedicht. Daneben, zurück auf dem Markt, jede Menge (Meeres-)früchte und Gemüse aller Art, Süssigkeiten, von allem vieles, das man noch nie gesehen hat. Und alles immer auch gleich zum Verspeisen, fritiert, gebraten, gekocht. Hungrig geht hier keiner weg. Auch Sie natürlich nicht, liebe Leserschaft, sofern das Glück Ihnen hold ist. Man nenne mir, heute ists besonders einfach, den deutschen Namen des Bacalla und das Land mit der grössten Produktion weltweit und gewinne so, nein aus Rücksicht auf den transportierenden Pösteler nicht Bacalla, sondern eine süsse Spezialität auf Mandelbasis, 3x100g, in einem Pack, direkt importiert von St. Josep. Viel Glück! 

6 Antworten to “Adve(r)ntedankfest(17/18/19): Meu Mercat”

  1. FischerIon Says:

    Man nenne mir… was? Bon Nadal? Beim schreiben eingeschlafen?
    Bin gespannt was die Insider-Fraktion hier antwortet.

  2. adriankrebs Says:

    Jetzt wieder erwacht…ja ich bin gespannt, grad in diesem fischigen Bereich, die Vorschläge des Insiders zu hören…

  3. Fabian Schweizer Says:

    Bacalla ist, wenn ich mich recht entsinne, Kabeljau, in der getrockneten Version Stockfisch.

    In Norwegen wird besonders viel davon hergestellt…

  4. Jonas Ingold Says:

    Danke für den interessanten Beitrag. Dank dir habe ich nun endlich den Fisch identifiziert, denn ich im Herbst in Dänemark aus dem Wasser gezogen habe. Ist jeweils ein Abenteuer, weil ich mit Meeresfischen nicht so bewandert bin…

  5. FischerIon Says:

    OK, bin ich wohl schuldig. Fabian Schweizer dürfte recht haben.
    Norwegen ist der grösste Produzent von Stockfisch. Ist der Autor aber spitzfindig und beharrt auf den grössten Produzenten von „Bacallao“, würd ich Portugal erwähnen. Dort ist der Fisch mit diesem Namen Programm, sprich Tradition.
    Meinerseits hatte ich in den 90ern mal das Vergnügen, mit meinem portugiesischen Mitarbeiter im „Portugiesischen Club“ in Lausanne ein solches Getier zu verspeisen. Selten so salzig gegessen… Aber günstig war’s allemal und kulturell interessant, so unter Bauarbeitern, Fliessbändlern etc. – hab nur nichts verstanden.

  6. adriankrebs Says:

    Fabelhaft, Fabian!

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