Mit dem Manna kommt die Flugzeit der Händler

Es nähert sich das Jahresende und damit die Zeit, wo die Bauern ihre zweite Direktzahlungstranche erhalten. Immer im Juni und im Dezember sind deshalb die Lieferanten der Bauern besonders aktiv. Legendär ist dies bei Traktoren- und Maschinenhändlern, die rechtzeitig zum Geldsegen – bei grösseren Betrieben fliessen da gerne 50 000 Franken und mehr auf einmal aufs Konto – rastlos über Land ziehen, um ihre teuren Gerätschaften an den Landmann zu bringen. Ähnlich verhält es sich mit den Futtermittellieferanten, die zum Jahresende gerne noch den einen oder anderen lukrativen Vertrag abschliessen möchten. Das schlägt sich auch in den Inserate- und PR-Spalten der Landwirtschaftspresse nieder, wo die Maschinenhändler derzeit Messen en masse ankünden (siehe Bild unten) und die Müller auf Anbiederung machen. Ein besonders schönes Beispiel ist der Text von Peter Stadelmann, seines Zeichens Geschäftsführer des Futtermüllers Kunz Kunath AG (oben rechts), der in einem bezahlten Beitrag im „Schweizer Bauer“ gegen den „falschen Weg der fortgesetzten Ökologisierung“ wettert und gleichzeitig das Hohelied auf den steigenden Selbstversorgungsgrad und die produzierende Landwirtschaft singt (der integrale Text findet sich hier im Kundenmagazin von Kunz Kunath auf Seite 3). Das geschieht natürlich nicht ganz uneigennützig, sind doch die grössten Nutzniesser der intensiven Landwirtschaft die Lieferanten von Futtermitteln, Düngern und Landmaschinen. All das liefert als Marktleader unter einem Dach die Fenaco, die jährlich allein mit Verkäufen an die Bauern 1,5 Milliarden Franken umsetzt und dieser Tage ein Firmenfilmchen in Umlauf gebracht hat, das – man höre und staune – ebenfalls zur Lobhudelei auf die produzierende Landwirtschaft ansetzt. Dass all diese Firmen das Manna auf ihre Mühlen umlenken wollen, ist ihr gutes Recht. Man wird aber in diesem Zusammenhang daran erinnern dürfen, dass sie neben den Bauern die grossen Profiteure der Direktzahlungen sind. Das ist ein Aspekt, der in den Diskussionen um die Agrarpolitik oft zu kurz kommt. 

 

4 Antworten to “Mit dem Manna kommt die Flugzeit der Händler”

  1. Links No. 2 | haberleiten.at Says:

    […] “Geldsegen” und landwirtschaftlicher Anzeigenmarkt […]

  2. Heidi Says:

    Eine produzierende Landwirtschaft wäre schon recht, sie müsste aber auch ökologisch sein. Wenn sich die Futtermittel-Lastwagen zweimal im Monat die steilen Bergsträsschen hinauf winden, dann stimmt etwas nicht, im Tal ist die Lage nicht besser … Wer den Agrarbericht des Bundesamts für Landwirtschaft (BLW) liest, der kapiert bald, dass unsere Steuergelder fast ausschliesslich an die Milch- und Fleischproduzenten gehen, denn auch ein grosser Teil der pflanzlichen Produktion dient der Tierproduktion. Die „echten“ ökologischen Direktzahlungen machen lediglich 12% der Direktzahlungen, nicht aber der gesamten Ausgaben für die Landwirtschaft aus.
    Aufgrund wissenschaftlichen Erkenntnissen setzt sich eine gesunde Ernährung wie folgt zusammen: viele Früchte und viel Gemüse, wenig Fleisch, Zucker, Fett und Salz. Was unterstützt die Agrarpolitik, auch die neue? Fleisch, Milch, Zucker und Fett, während die Gesundheitskosten ins Unermessliche klettern. Das müsste man in Bern einmal hinterfragen! Und …. sind die Bauern im Allgemeinen die Richtigen, um die Artenvielfalt zu retten? Die Agrarpolitik ist ein Flickenteppich, wann sieht das BLW endlich ein, dass ein Neuanfang nötig wäre?
    Derzeit stellt sich für Heidi die Frage, ob sie die neuen Misthaufen im Feld über dem Grundwasser im Rheintal fotografieren soll, oder ob es nicht endlich Sache der Bündner Behörden wäre, den Vollzug der Gewässerschutzgesetzgebung in Angriff zu nehmen.

  3. FischerIon Says:

    Geschätzte Frau Heidi. Wär ich in der Gegend, würd ich liebend gern ein paar Fotos für Sie schiessen.
    Was Ihre Aufzählung gem. „wissenschaftlichen Erkenntnissen“ betrifft, glaub ich, so haben Sie etwas ganz wichtiges vergessen… Ja, was denn wohl? Vielleicht ein kleiner Wettbewerb dazu? OK, ok, nicht schon wieder. Falls aber der Autor diese Frage offen stellen mag, stelle ich die Preise zur Verfügung🙂

  4. Heidi Says:

    Lieber Herr Fischerion. Natürlich habe ich etwas vergessen! Aber möglicherweise meinen wir nicht dasselbe: Alkohol. Zwar enthält Rotwein gesundheitsfördernde Stoffe, aber leider auch schädlichen Alkohol. Das Märchen vom gesunden Rotwein stammt nämlich von Studien, die von der Wein-Lobby finanziert wurden. Nun, auch Heidi trinkt ab und zu gerne ein Glas Wein, manchmal subventionierten Schweizer Wein, manchmal (vielleicht ebenso subventionierten) ausländischen.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: