Die gehörnte Inkosequenz der Milchwerbung

Als ich dieser Tage wieder einmal ins Kino ging, lief der neueste Milchspot aus dem Hause der Schweizer Milchproduzenten (SMP). Ich bin beim besten Willen nicht nachgekommen, was man mir sagen will. Eine Kuh wird begleitet von James-Bond-Musik an einem Gestältli in ein Silo abgeseilt. In der Tiefe lagert auf einem Tischchen ein Diamant, das Licht geht aus, und plötzlich steht auf dem Tischchen ein Glas Milch statt des Diamanten. Dann der Claim: „Milch echt stark“. Ich habe mir den Spot jetzt noch ein paar mal angeschaut, aber irgendwie wills mir immer noch nicht ganz einleuchten, wer da warum stark ist. Ist es die Kuh oder das Glas Milch? Nach langem werweissen bin ich zum Schluss gekommen, dass es die Kuh sein muss. Die Vermutung wird erhärtet durch den zweiten aktuellen Spot, den man auf der Website von Swissmilk findet. Er handelt von einer Kuh, die schneller auf dem Gipfel ist, als der versierte Kletterer. Als er abgekämpft oben ankommt steht die stolze Milchproduzentin schon auf dem Gipfel, daneben ein Stativ mit dem bereits bekannten Spruch. Hier ist es klar, die Kuh ist stark, und wie es sich für eine stolze starke Kuh gehört, ist sie, wie ihre Kollegin im Silo, behornt; und wie. Man muss schon fast von einem Geweih sprechen. Ich frage mich, wie lange die SMP noch mit gutem Gewissen Werbung mit behornten Kühen betreiben können. Bekanntlich sind über 80, eher 90 Prozent der Kühe heute enthornt. Und die Milchproduzentenorganisation ist nicht bekannt dafür, irgendetwas dagegen zu haben. Im Gegenteil, wenn man das Positionspapier vom August 2010 liest, tönt das wie ein Plädoyer für das Enthornen. Unter dem Titel „Bei der Hornfrage steht die Unfallprävention im Vordergrund“, heisst es dort unter anderem: „Kühe mit oder ohne Hörner? Diese Frage ist nicht neu und stellt sich jedem einzelnen Milchbauer spätestens dann, wenn er als Betriebsleiter für die Sicherheit und Unfallprävention auf seinem Betrieb verantwortlich und haftbar ist. Das Enthornen ist eine wichtige Massnahme zur Unfallverhütung in der Milchviehhaltung und wird bereits in den ersten Lebenswochen des Kalbes gemacht, unter Narkose und durch eine fachkundige Person.“ Diese Position kann man schon einnehmen, aber konsequenterweise müsste man dann in der Werbung auch nachziehen. Im Auto-Werbespot fahren die Leute schliesslich auch angegurtet.

Eine Antwort to “Die gehörnte Inkosequenz der Milchwerbung”

  1. Jonas Says:

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