Die hornlose Konsequenz der Anglosachsen

Herzlich willkommen im neuen Blogjahr, geschätzte Leserschaft. Um den Kontakt zum vergangenen über die Jahresgrenze hinweg nicht ganz abbrechen zu lassen, widme ich mich noch einmal der Milch(-produkte-)werbung. Vor wenigen Tagen wurde hier moniert, dass die Schweizer Milchproduzenten inkonsequenterweise immer noch mit behornten Kühen werben, obwohl man sie heute im Feld fast mit der Lupe suchen muss. In England, wo ich den Jahreswechsel begossen habe, ist man da schon einen grossen Schritt weiter. Es gibt auch in der Vermarktung nur noch hornlose Kühe. Das ist nichts als konsequent. Und wenn man das Resultat anschaut, sieht das ja gar nicht so übel aus, wie man befürchten könnte. Die konsequente Einführung der hornlosen Kuh in der Werbung braucht aber einen Effort und eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Thema. Eine Übernahme von angelsächsisch-amerikanischer Werbeästhetik kommt ja für die Schweiz wohl eher nicht in Frage. Ein Problem, das mir spontan in den Sinn kommt ist das beliebte Sujet Alpaufzug/-abzug und die gesamte Romantik drumherum. Eine hornlose Kuh mit Treichel sieht in meinen Augen vollkommen grotesk aus. Hier wird man nach neuen Formen suchen müssen. Ich bin gespannt, wie die Branche diesen Problemkreis anpackt. Sollte man zum Schluss kommen, dass der Imageverlust mit hornlosen Kühen in der Werbung zu gross ist, dann wäre die Forderung nach Direktzahlungen für Hörner und Hornmilch die logische Konsequenz…

7 Antworten to “Die hornlose Konsequenz der Anglosachsen”

  1. Elisabeth Kremer Oakeshott Says:

    In Dänemark, wo ich Landwirtschaft studiert habe, hat man sich längst daran gewöhnt, dass die Kühe keine Hörner (mehr) haben. Es findet auch praktisch keine (öffentliche) Diskussion zu dem Thema statt (abgesehen von gelegentlichen Artikeln über biodynamische Betriebe, wo die Kühe nicht enthornt werden). Das dies so ist, bemerkt man spätestens, wenn man in der Debatte um das unlängst beschlossene Verbot der Anbindehaltung (ab 2022) auf folgenden Einwand stösst: „Das Verbot gefährdet die Haltung von Kühen altdänischer Rassen (mit Hörnern) und das wäre auch für die Film- und Fernsehschaffenden, die mit historischen Milieus arbeiten, sehr problematisch.“

  2. Heidi Says:

    Auch ich fand die Diskussionen über die Kühe mit oder ohne Hörner lächerlich und die Forderung nach Direktzahlungen völlig daneben … bis ich auf die diesbezügliche Forschung des Forschungsinstiuts für biologischen Landbau (FiBL) stiess … und mich mit dem Stellenwert der Hörner in der Herde befasste … das hat bei mir einen Meiungsumschwung bewirkt. Hier die Links zu den entsprechenden Forschungsprojekte:
    http://www.fibl.org/de/service/nachrichtenarchiv/meldung/article/behornte-kuehe-im-laufstall.html
    http://www.fibl.org/de/service/nachrichtenarchiv/meldung/article/milchkuehe-koennen-im-laufstall-leben-und-ihre-hoerner-behalten.html
    Siehe auch Adis Artikel „Klosterbrüderliche Wertschöpfung im Oberland“:
    https://adisagroblog.wordpress.com/2011/06/19/klosterbruderliche-wertschopfung-im-oberland/

  3. Urs Aebi Says:

    Zur Frage Hornlose Werbung oder nicht, ist mein Eindruck, dass der SMP mit Lovely seit langem im Abseits liegt (bzw. schläft). Lovely ist Opfer ihres eigenen Erfolges, gewinnt zwar Werbe-Awards aber macht schon lange keine Werbung mehr für das Nahrungsmittel Milch sondern im Moment für Bergsteigerausrüstungen, auch schon für die Fussballnationalmannschaft (fragt mal nach, wie viele Milchtrinker es unter Shaka, Shakhiri und Co gibt) und morgen vielleicht für irgendein Niederflurtram in Zürich….

    Was säuft denn eine Kuh, das sie so stark macht? Milch??
    Der Ansatz Lovely stammt noch aus der Zeit, als es wichtig war, eine Kuh draufzudrucken, damit es als Kuhmilch identifizierbar war; Heimatgefühl wecken genügte als Label.

    Aber es spielt 2012 für das Produkt Milch nicht die geringste Rolle mehr, ob die Kuh Hörner hat oder nicht, das ist nämlich 95 % der Kunden sch…….egal.
    Für die Werber natürlich schon, denn möglicherweise wirkt es etwas dynamischer eine Horn-Kuh den Hoger hinaufzupixeln als ein Tier ohne Horn (Ueberhaupt ist es ja ein offenes Geheimnis, dass Lovely ja im Original auch Hornlos ist, und dass ihr die Hörner hingepixelt werden…)

    Dass Adi Krebs (danke für den sonst wertvollen Blog) ein Anhänger von Hornvieh ist, ehrt ihn. Aber als schlauer Bauer weiss er sehr wohl, dass es einer gepflegten, gut ernährten, gut gehaltenen hornlosen Kuh an nichts fehlt.
    Dass er am Schluss seines Eintrags Hörner in Verbindung mit Direktzahlungen bringt, ist deshalb befremdend.
    Denn wenn 5% der Bevölkerung Milch von behörnten Kühen zu trinken wünschen, dann wird sicher eine schlauer Unternehmer dies auch anbieten und den Marktanteil auf 5,01 % steigern.
    Real ist heute, dass 8 von 10 Litern (!) Milch in Europa im 200km-Umkreis des Aermelkanals von jungen, schwarzen, hornlosen Laufstallkühen möglichst günstig produziert werden (müssen).

    Mein Aufruf an SMP: seid einmal mutig und stoppt Lovely, Stopp der mageren Hornkuh mit rostiger Treichel und schlampigem Gusteuter.
    Rückt echtes sustainable-milkfarming in den Mittelpunkt (gesund, sozial, verankert, echt).

    Denn es ist nicht wichtig, ob die Treichelkuh hornlos ist. Es zählt nur, dass da überhaupt noch einer ist, der der Kuh eine Treichel anzieht…

  4. Jonas Says:

    Eine Treichel mit integriertem Hornaufsatz à la Weihnachts-Elchhörner wäre die Lösung für den Alpaufzug. Und wie du siehst hat der LID mit dem Kalender die hornlose Kuh bereits aufgenommen und ist damit einmal mehr Trendsetter.
    Besten Dank noch für das Geschirr-Tuch – mit Riesenhörnern drauf notabene. LG

  5. armin Says:

    http://www.bioaktuell.ch/de/aktuell/meldung/article/ein-fest-rund-um-hoerner.html

  6. Heidi Says:

    Gerade habe ich in der UFA-Revue 4 2012 das Folgende gelesen: „Berge, Bauern und Touristen… Trachsels Kühe hatten stets Hörner. erzählt er, und dass er wochenlang unter den Folgen gelitten habe. Dann blitzt Schalk in seinen Augen auf: „

  7. chrigi Freitag, Elm Says:

    Die Blumen werden um den Bauch gebunden. Die Glocke kommt so zur Geltung. Der Kopf und Hals wird entlastet.

    Gruss Chrigi Freitag Elm

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