Wem gehört eigentlich das gesäte Eigentum?

Ein Artikel, der dieser Tage online im „Guardian“ erschienen ist, berichtet über die Ausweitung der sogenannten Contribution volontaire obligatoire (abgekürzt CVO, Freiwillige obligatorische Abgabe, ein schöner Widerspruch in sich) auf sämtliches französisches Getreide-Saatgut. Bisher war diese Abgabe auf Weichweizen beschränkt. Durch den Beschluss der Nationalversammlung von Ende November 2011 gilt sie nun umfassend. Die Abgabe beläuft sich auf 50 Euro-Cent pro Tonne abgeliefertem Getreide und muss von denjenigen Bauern bezahlt werden, die einen Teil der eigenen Ernte als Saatgut wiederverwenden wollen. Dieser Entscheid hat zu einigem Unmut geführt, namentlich bei der Coordination nationale pour la défense des semences de fermes (CNDSF). Ich kann die Empörung gut nachvollziehen. Nicht dass ich den Saatgut-Unternehmen – dazu gehören auch viele KMU – eine anständige Abgeltung ihrer Arbeit missgönnen würden. Sie sind im Groupement national interprofessionel des semences et plante (GNIS) organisiert und haben die neue Regelung selbstverständlich begrüsst. Mich dünkt aber, dass die Aufwendungen der Saatgutproduzenten mit dem Kauf genügend abgegolten sein sollten. Sämtliche weitergehenden Ansprüche sind verfehlt. Wenn man wirklich eine Gesamtrechnung machen möchte, dann müsste man auch die Saatgutproduzenten an die Kasse nehmen, und nicht nur die Bauern. Denn das Saatgut, das die Unternehmen perfektioniert und weitergezüchtet in den Verkauf bringen, wurde in jahrhundertelanger Züchterarbeit von Generationen von Landwirten weiterentwickelt, gehegt und gepflegt. Die Kommerzialisierung dieses Business – der Exzess sind die Monokulturen mit Gentech-Saatgut mit Terminator-Technologie – war nur möglich, dank dieser soliden Basis. Angeeignet hat sich die Branche diesen Fundus von angepassten Sorten ohne, dass sie ihrerseits die Landwirtschaft kontinuierlich für diese Vorarbeit weiterentschädigen würde. Cie CVO müsste also, wenn schon, mindestens zur Hälfte in Projekte zur Erhaltung alter Landsorten und dieses wertvollen Genpools fliessen und nicht ausschliesslich in die Kassen derjenigen, die davon seit Jahrzehnten profitieren. (Bild J. Gutner/Agriculteur Normand)

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