Das fahrlässige Lamentieren der Lobbyisten

Vergangene Woche hat der Schweizerische Bauernverband (SBV) die Medien wie immer in den ersten Tagen des Januars zum Antrittsverlesen  auf einen Hof aufgeboten, im Bild Direktor Jacques Bourgeois. Es wurde – wen überrascht es? – lamentiert über den Einkommensverlust im vergangenen Jahr, den der SBV auf minus 3,7 Prozent pro Familienarbeitskraft schätzt, wobei offizielle Ergebnisse noch nicht vorliegen. Gleichzeitig beklagte man sich über die steigenden Ansprüche der Konsumenten, die man mit einer Studie der Universität St. Gallen aus dem Jahr 2007 unterlegte. „Die Schweizer Konsumenten wünschen sich von der Schweizer Landwirtschaft hochwertige Nahrungsmittel, gleichzeitig aber auch eine gepflegte Landschaft und die Erfüllung von hohen sozialen, ökologischen und ethischen Vorgaben“, bilanzierte Francis Egger, der SBV-Politikverantwortliche in seinem Referat. Und fragte: „Doch wie wird sichergestellt, dass diese Bedürfnisse auch erfüllt werden? Und wer bezahlt für diese multifunktionale Landwirtschaft in welcher Form?“. Die Antworten sind einfach: 1. Mit der Agrarpolitik. 2. Konsumenten und Steuerzahler. Die Erwartungen der Bevölkerung decken sich ziemlich genau mit dem entsprechenden Verfassungsartikel, es wird also keineswegs unbotmässig übermarcht bei den Ansprüchen. Gleichzeitig wird der Direktzahlungsrahmen auch die bevorstehende Agrarreform ungeschoren überstehen, diese Prognose kann man wagen. In diesem Punkt gibt es also schon mal keine Verluste zu beklagen, sei es finanziell oder bezüglich Identifikation der Financiers. Auch was die Einkommensverluste im vergangenen Jahr angeht, scheint mir das Klagen verfrüht. Für die Milch- und Schweineproduzenten war es sicher kein brillantes Jahr, die Verluste in diesem Bereich hat sich die Branche aber teilweise selber zuzuschreiben, die Überproduktion hat stark zu den sinkenden Preisen beigetragen. In den übrigen Bereichen war es kein leides Jahr, im Gegenteil. Ein Freund, Biolandwirt mit Fokus auf Kirschen, Gemüse und Schaffleisch im Baselländischen hat mir dieser Tage freudestrahlend erzählt, besser als letztes Jahr könne es nicht mehr werden. Mehr oder weniger dauerhaft ideales Wetter und trotzdem immer genug Wasser. Seine Aussagen werden bestätigt durch die Bilanzen im Bereich Getreide, Lagergemüse und Wein. Acker-, Gemüse und Rebbau machen gemeinsam zwar nur rund einen Viertel des Endrohertrags aus. Aber auch bei der Rind- und Kalbfleischproduktion war 2011 unter dem Strich mindestens vergleichbar mit den Vorjahren. Insgesamt ist der vergangene Jahrgang also sowohl politisch wie auch ökonomisch ein durchaus befriedigender. Das dürfte man selbst in Brugg laut sagen. Sonst hört dann niemand mehr zu, wenn es wirklich einmal dramatisch werden sollte. (Bild Peter Schneider/Keystone) 

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