Der Nährboden als Mantra und Cashcow


Am 11. März entscheidet das Stimmvolk über die Zweitwohnungsinitiative von Franz A. Weber und seiner Stiftung FFW. Das Begehren fordert eine Begrenzung des Zweitwohnungsanteils auf 20 Prozent. Das Bild oben stammt aus der Propaganda des Initiativkomitees und mag etwas stark verdichtet sein. Wenn man die existierende Landschaft anschaut, sieht es aber vielerorts gar nicht etwa schauderhaft viel besser aus. Das zeigen die Bilder aus der Realität weiter unten. Die Landwirtschaft, so müsste man meinen, sollte sich nach Kräften hinter das Ansinnen des rührigen und umstrittenen Umwelt- und Tierschützers stellen. Wer kann an der Scholle ein Interesse haben, dass immer mehr Land für meist hässliche, kaum benützte Ferienwohnungstürme verbraucht wird? Fehlanzeige. Keine einzige bäuerliche Organisation ist im Unterstützungskomitee. Und ich nehme auch nicht an, dass es noch dazu kommen wird. Denn zu ambivalent ist das Verhältnis des Landmanns und der Landfrau zum Nährboden. Dieser ist nicht nur eine ideologisch überhöhte Basis der Produktion, sondern auch eine Cashcow sondergleichen. Hunderte von Bauern sind dank Baulandverkäufen zu Millionären geworden. Und noch immer harren Hunderte ja Tausende von Hektaren, die heute noch bebaut werden, der Überbauung. Die Zweitwohnungsinitiative ist nur ein Beispiel. Bei der Landschaftsinitiative ein ähnliches Bild: Unterstützung kommt nur von Bio Suisse und VKMB, der Bauernverband (SBV) aber windet sich und kann sich nicht zur Teilnahme im Stützungskomitee entscheiden, obschon die Exponenten bei jeder Gelegenheit wortreich den Kulturlandverlust beklagen. Gleichzeitig wehren sich die Baulandbauern nach Kräften, die Öffentlichkeit an den enormen Gewinnen zu beteiligen, die sie einstreichen, wenn sie ihr Landwirtschaftsland verkaufen. Und erhalten dabei Unterstützung vom SBV. Jüngstes Beispiel für die Haltung der Bauern ist die Reaktion auf den Bundesgerichtsentscheid vom Dezember 2011, der einen Bauern verpflichtet, auf Bauland dem Wert entsprechende Steuern zu bezahlen. Die „Bauernzeitung“ diagnostizierte dieser Tage einen „Schock für Baulandbauern“, garniert mit dem Kommentar eines SBV-Vertreters, der fatale Folgen für das Einkommen der betroffenen Bauern inklusive Verlust der Direktzahlungen wittert. 
Insgesamt ergibt sich kein schönes Landschaftsbild von Bauer und Boden. Die Bewirtschafter geben zwar vor, an dessen Unüberbautheit durch alle Böden festhalten zu wollen. Sie lamentieren über den steigenden Siedlungsdruck, ohne das sie aber offen dazu stehen würden, wie lukrativ genau diese Nachfrage für sie ist. Und ohne Bereitschaft zu zeigen, bei dieser Einkommensquelle im Interesse der Erhaltung des Kulturlands gewisse Abstriche in Kauf zu nehmen.(Bilder Komitee Zweitwohnungsinitiative)    

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Eine Antwort to “Der Nährboden als Mantra und Cashcow”

  1. Heidi Says:

    Lieber Adi, du sprichst mir aus dem Herzen. Wo ich wohne ist der Überbauungsdruck klein, die Lawinen-Gefahrzone unmittelbar über den neuen Häusern der Dorfzone. Wir sind in der Landwirtschaftszone, wollten unseren Garten etwas vergrössern und die Grenze, die unmittelbar am Gebäude vorbei führt, verschieben… keine Chance! Die Bauern hoffen, dass das Land dereinst eingezont wird. Unsere Fruchtfolge ist daher nicht gerade vorbildlich. In den Tourismus-Orten lösen die Bauern Millionen für kleine Grundstücke, bauen mit unserer Unterstützung Häuser und neue grosse Scheunen, die sie später, wenn alles Land weg ist, in Wohnhäuser umbauen. In den alten nicht tierschutzkonformen Ställen hausen Rinder oder Schafe oder die Bauern verkaufen sie als Ferienhäuser, mit der entsprechenden autogerechten Erschliessung. Die abgelegenen Bauernhäuser mit grossem Umschwung werden immer beliebter bei Sportlern, Reichen und Neureichen aus aller Welt. Diese werden dann den Strom von den Scheunendächern vielleicht für den Eigenbedarf brauchen.

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