Vorgarten-Landwirtschaft(2): Hoffnung ist grün

Vor einigen Tagen ist in der NZZ ein hochinteressanter Artikel unter dem Titel „Die Schrebergärtner von Mexiko-Stadt“ erschienen. Der Autor Alex Gertschen beschreibt zunächst die Ausmasse des Molochs: Die mexikanische Hauptstadt hat 20 Millionen Einwohner und 4,5 Millionen Autos, Tendenz steigend. Dann verlässt er die verstopfte Hauptstrasse und begibt sich in den Garten La Romita von Sembradores Urbanos. Die kleine Frauengruppe betreibt hier mitten im städtischen Getümmel auf lediglich 200 Quadratmetern einen Garten. Mit Unterstützung der Stadt. Diese hat dem Projekt 10000 Franken Starthilfe zugesprochen. Damit haben die Stadtgärtnerinnen einen staubige Brache in eine kleine grüne Oase verwandelt. Die Förderung der Stadt-Landwirtschaft ist Teil der Bemühungen von Stadt- und Zentralregierung, die Metropole nachhaltiger und lebenswerter zu gestalten. Carolina Lukac (oben links im Bild) und ihre Kolleginnen bewirtschaften aber nicht nur die knapp bemessene Fläche, sondern tragen ihr Wissen weiter. Sie haben seit der Gründung 2007 an 20 Schulen Kleingärten eingerichtet. Inbegriffen war die Weiterbildung für Lehrer und Schüler. Der Garten ist in den Augen der Sembradores nicht nur Produktionsstätte für frische Lebensmittel, sondern auch Erholungsort, Begegnungsstätte und Therapie. Zu den Kunden der Sembradores gehören auch Jugendgefängnisse, „wo sie minderjährigen Delinquenten übers Gärtnern einen konstruktiven Umgang mit der Umwelt aufzeigen wollen“. Lukac und ihr Team sehen grosses Potenzial für das spriessen des Grüns. Es gebe noch zahlreiche brachliegende Flächen, die man der Gemüse- und Früchteproduktion zuführen könnte. Die Illusion, dass die wachsende Stadt eines Tages autark ist, haben sie nicht. Aber einen Farbtupfer mit Multiplikationswirkung setzen sie in der Grossstadt auf jeden Fall. Derzeit ist die Begrünung von Dächern ein grosser Trend, so liest man weiter. Kürzlich hat Präsident Calderón das einst staubige und jetzt frisch begrünte 5000 Quadratmeter grosse Dach der staatlichen Wohnbauförderung der Produktion übergeben. Erneut mit positiven Nebenwirkungen. Dank der Begrünung lassen sich im heissen Mexiko-Stadt die Temperaturen und damit die Kühlungskosten für die darunter liegenden Räume deutlich reduzieren. Eine Win-win-Situation der grünen Art. (Bild Alex Gertschen/NZZ)

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