SMP&Co: Organisationen im Karriereherbst


Am Freitag hat in Bern ein bescheidenes Grüppchen von geschätzten 250 Bauern auf Einladung von Uniterre unter anderem für einen fairen Milchpreis und Ernährungssouveränität demonstriert. Laut Medienberichten forderte Uniterre unter anderem eine aktivere Rolle der Schweizer Milchproduzenten (SMP). Man müsse der Organisation die Steuerung der Milchmenge übertragen. Das ist ein frommer Wunsch, denn dafür ist der Zug längst abgefahren. Schon kurz nach der Abschaffung der Milchkontingentierung 2009 zeigte sich leider, dass die Idee des Milchpools unter Ägide des Dachverbands zum Scheitern verurteilt ist. Der Milchhandel läuft heute über regionale Produzentenorganisationen, die direkt mit den wenigen grossen Abnehmern verhandeln. Die Meinung der SMP interessiert nur noch beschränkt. Als sie vergangenes Jahr unter Getöse aus der Branchenorganisation Milch (BOM) austraten, krähte ihnen dort kaum ein Hahn nach. Im Gegenteil, man zeigte sich bei den Zurückgebliebenen eher erleichtert, dass man nun ungestörter Tagen könne. Das Interesse an einer Rückkehr scheint bis heute limitiert. Dieses Desinteresse am Verband ist ein Zeichen für dessen reduzierte Relevanz, nicht nur für die Marktpartner, sondern auch für die Mitglieder. Die Zeiten als der Direktor der SMP mit Vertretern von Käseunion, Käsern und Bund in der sogenannte Viererbande den Milchpreis aushandelte kommen einem heute vor wie ein Märchen aus dem Band „1001 Landwirtschaftslegenden“. Trotz Finanzstärke läuft der Verband Gefahr, zu reinen Marketingorganisation mit Rezeptheft zu mutieren. Doch die SMP sind längst nicht die einzige Branchenorganisation, die im Herbst der Verbandskarriere angekommen scheint. Nehmen wir zum Beispiel die Sortenorganisation Emmentaler Switzerland. Die zerstrittene Interprofession ist eine zahnlose Verwalterin der Markenrechte, die im Marktgeschehen kaum mehr eine Rolle spielt. Forsche Käser, namentlich aus der Ostschweiz haben ihr Schicksal längst selber in die Hand genommen und verhandeln direkt mit dem Handel oder haben sogar selber Firmen gegründet. Das tangiert auch die Pläne des Käserverbands Fromarte. Dessen Projekt für die Gründung einer Einheitshandelsfirma für Emmentaler bleibt, wenn micht nicht alles täuscht, ein Papiertiger. Schwach auf der Brust ist auch die Switzerland Cheese Marketing (SCM). Ihre millionenschweren, vom Bund zur Hälfte mitfinanzierten Kampagnen für die wichtigsten Käsesorten verpuffen offenbar praktisch wirkungslos, verlieren diese doch auf den Exportmärkten an Boden. Derweil legen die unbeworbenen Nischenplayer zu. Böse Zungen werfen der SCM vor, zu stark in der Käseunions-Mentalität verhaftet zu sein und empfehlen augenzwinkernd eine Direktüberweisung der Marketingmittel an die darbenden Käser und Milchbauern. Die Uniterre-Demo übrigens zeigte auch die Probleme dieser oppositionellen Bauernvereinigung auf. Mit umstrittenen Aktionen, zum Beispiel erfolglosen Stiefelwürfen auf die damalige Landwirtschaftsministerin Leuthard und der Präsentation eines toten Kalbes auf dem Bundesplatz haben sie innerhalb der Branche viel Geschirr zerschlagen. Auch dieser Organisation kann man keine grosse Zukunft prognostizieren. Schade eigentlich, denn etwas mehr kreatives Kämpfertum würde dem betulichen Landwirtschafts-Millieu überhaupt nicht schaden. (Bilder Samuel Krähenbühl/“Schweizer Bauer“)
 

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5 Antworten to “SMP&Co: Organisationen im Karriereherbst”

  1. Samuel Krähenbühl Says:

    Und was ist Dein Lösungsansatz für die vielen Milchbauern, welche nicht viel mehr als 50 Rappen oder sogar noch weniger pro kg Milch verdienen? Was sollen die Bauern in Abländschen BE oder im Isenthal UR denn produzieren? Der Schweinemarkt ist auch ein Desaster, Ackerbau kommt auch nicht infrage und Mutterkühe hat es auch einmal genug. Oder teilst Du die Ansicht Deiner NZZ-Kollegen, dass man die Bergtäler den Bären und Wölfen überlassen sollte?

  2. Andy Says:

    Der Adis-Blog nennt das Problem beim Namen: Es sind die Verbandsstrukturen, die vielen kleinen Vermarktungs- und Milchverbandstrukturen, die im Weg stehen. Der SMP haette 2008 die Lösung gehabt, auch die Umfrage mit über 80% der Basismilchbauern zeigte, dass der Milchpool gewollt wurde. Darum muessen wir die Handels- und Verbandsfunktionäre abschaffen, die Statuten ändern, und dem smp mehr Kompetenzen zuweisen koennen, damit dieser handlungsfaehig wird. Der Smp-direktor und der Geschaeftsfuehrer sind selber auch an die Beschluesse des Vorstandes und der Delegiertenversammlung
    gebunden. Und die finden jeweils sehr spaerlich statt.

  3. Heidi Says:

    Beim Beobachten der Schweizer Agrarpolitik und der Bergbauern ist mir die Idee mit dem Bär und Wolf bzw. den Hirschen, Rehen usw. auch schon gekommen. Ein grosser attraktiver Nationalpark „Alpen“ mit Artenvielfalt. Denn, sind wir doch ehrlich, mit immer mehr Steuergeldern für die Bergbauern fördern wir in erster Linie das Ausharren der Kleinen mit miserabler Ökobilanz und schlechtem Einkommen sowie die weitere Zerstörung der Artenvielfalt durch schlagkräftige Maschinen, gut ausgebautes Strassen für den Transport von ausländischem Kraftfutter in hohe Lagen und somit Überdüngung des Grünlands und Verschmutzung des Wassers.
    Die Alpweiden sind vielerorts noch die einzigen schützenswerten artenreichen Flächen, und diese liessen sich, wie der erste Schweizer Nationalpark zeigt, auch mit dem Wild offen halten. Die wenigen erhaltenswerten Flächen, die es in tieferen Lagen noch gibt, könnte man im Rahmen von gezielten Projekten pflegen. Nun, ich höre den Aufschrei jener Bergbauern, die der Ökologie verpflichtet sind, aber wie viele sind es? Was sollen die Bergbauern produzieren? Tourismus ist das Lösungswort aus Bern, aber ist das die Lösung für gut ausgebildete junge Bauern? Wollen wir immer mehr Tourismus unter dem Decknamen „Landwirtschaft“ subventionieren?
    Und das Branchenproblem? Es würde kürzfristig entschärft, aber nicht nachhaltig gelöst!

  4. werner Locher Says:

    Der Grund für das Desater im Käseexport liegt im Egoismus der Exporteure. Alle loben das Exportwunder Österreich: Dort wird der GESAMTE Export durch eine einzige Organisation, die AMA, abgewickelt. Da gibt es keine blödsinnigen Preisunterbietungen durch egoistische Käsereien, welche mit einem Dupplikat die anderen im Export kanibalisiert.

  5. adriankrebs Says:

    @Samuel, ich stelle lediglich fest, dass die Standesorganisation der Milchproduzenten und ein paar andere Verbände in Probleme geraten bei der Mengenregulierung, die dringend notwendig wäre, um auch dem Milchproduzenten in Abländschen und Isenthal einen kostendeckenden Preis zu ermöglichen. Ich habe immer für Mengenmanagement in Produzentenhand plädiert. Denn anders als Du @Heidi bin ich durchaus der Meinung, dass es im Berggebiet nach wie vor Landwirte braucht, weil ihre Leistung in mehr besteht, als wie ein äsendes Gemschi oder Reh den Wald im Zaum zu halten. Sorgen sie doch mit dafür, dass eine gewisse Infrastruktur erhalten bleibt. Dass es allerdings so schitter steht um die Organisationen, dafür sind die Mitglieder – namentlich Milchproduzenten und Käser – an vorderster Front selber mitverantwortlich. @ Werner Locher, @Andy man macht es sich definitiv zu einfach, wenn man die Schuld den Exporteure, den Verbandsfunktionäre oder am Ende gar noch den Journalisten alleine in die Schuhe schieben will, dass zuviel Milch auf dem Markt ist. Denn keine dieser Gruppierungen produziert ein einziges Kilo Milch.

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