Hier arbeitet Ihr Steuergeld(-Empfänger)

Es sind immer wieder ein wenig dieselben Diskussionen, die ich mit meinen Stadtfreunden und -bekannten haben. Ja, ja, diese Bauern, heisst es dann jeweils, sitzen auf ihren schönen Heimetli wenn möglich mit Seesicht und machen die hohle Hand, die Väterchen Staat zweimal jährlich gut füllt. Ich: Losit, liebe Leute, der Souverän hat der Agrarpolitik in der heutigen Form zugestimmt – am 9. Juni 1996, um genau zu sein – und die Landschaftspflege als eine der gemeinwirtschaftlichen Leistungen auserwählt, die der Bauernstand im modernen Bundesstaat erbringen soll. Das tut er mit Sicherheit günstiger, als wenn man ein Gartenbauunternehmen mit diesen Aufgaben betrauen würde. Man nehme zum Beispiel den Hochstaumobstbaum. Für mich ist das ein klarer Fall für ein wertvolles Landschafts-gestaltendes Element. Dazu sind die Bäume wichtige ökologische Nischen für die leidende einheimische Vogelpopulation. Ohne Direktzahlungen wären mit Sicherheit noch mehr dieser Bäume verschwunden, als dies ohnehin der Fall ist. Zuletzt hat sich der Rückgang – dank unter anderem dieser Zahlungen – verlangsamt. Diese sind übrigens bescheiden. Zusammen mit den Kantonsbeiträgen kann man maximal 55 Franken pro Baum kassieren. Dafür muss er aber gepflegt werden. Das ist nicht in fünf Minuten gemacht und ungefährlich ist es auch nicht. Die möglichen zusätzlichen Erträge sind bescheiden, trotz dem unterdessen gut etablierten Label Hochstamm Suisse. Hochstammobst eignet sich in den allermeisten Fällen aus qualitativen Gründen nicht für den Direktkonsum, dieses Obst stammt zu 99,9 Prozent aus Niederstammanlagen. Bleibt die Verwertung als Most- und Schnapsrohstoff. Der Aufwand fürs Einsammeln ist gross und das Brennen oder Pressen verursacht Zusatzkosten. Jammern will kaum einer der Bewirtschafter, aber wenn einer im Hochstamm-Geschäft mehr als 15 Fränkli Stundenlohn einstreicht, ist er wohl ein Genie. Für dieses Geld nimmt kein Gärtner eine Säge in die Hand, geschweige denn ein Bürolist. Ende der Predigt.     

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Eine Antwort to “Hier arbeitet Ihr Steuergeld(-Empfänger)”

  1. BöserBauer Says:

    Amen, Amen. Kann’s gar nicht fassen, dass Sie sich für die CHF 15.–/Std. – Bauern so ins Zeug legen. Doch ein Verfechter der Direktzahlungen also oder handelt es sich hierbei um einen verfrühten April-Scherz?

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