Importgüggeli fliegt dem Rind um die Karnivohren

Der Branchenverband Proviande hat am Freitag die neueste Fleischstatistik veröffentlicht. Ergebnis: Der Konsum ist noch einmal angestiegen, um 0,8 Prozent auf 53,74 Kilo pro Person. Schweinefleisch ist nach wie vor der Leader, hat aber leicht verloren. Derweil ist Geflügel der Trendsetter, im Privathaushalt noch stärker als in der Ausserhausverpflegung und liegt erstmals an zweiter Stelle vor dem Rindfleisch. Was die Handelsbilanz angeht ist Rindfleisch geschwächt worden, die Importe haben um über 10 Prozent zugenommen. Der Inlandanteil beträgt aber nach wie vor über 80 Prozent. Ganz anders beim Poulet: hier werden 49,2 Prozent eingeführt. Das Fazit? Obwohl unterdessen ziemlich unbestritten ist, dass eine flächendeckende Ernährung der Menschheit längerfristig nur mit einer geringeren Fleischproduktion zu bewältigen ist, haben Herr und Frau Schweizer im Schnitt beim eigenen Ernährunsverhalten noch nichts geändert. Dass ausgerechnet das Pouletfleisch zulegt, zeigt zwei Dinge. Erstens wird rotes und fetthaltiges Fleisch von den Konsumenten, die sich um ihre Gesundheit sorgen nicht durch Gemüse, sondern durch Magerfleisch ersetzt. Zweitens sind ernhährungstechnische Fragen wichtiger als die Sorge um Umwelt und Tierwohl. Pouletfleisch erfordert einen hohen Getreide-Kalorieninput und die Importgüggeli wachsen grossmehrheitlich in industrieller Haltung. Wenn die Poulets in der Schweiz produziert werden, stammt ein Grossteil des Futters aus Importen, es ist also auch nicht wirklich Schweizer Fleisch. Etwas Gutes hat der Pouletfleisch-Boom aus meiner Sicht trotzdem: Es ist mehrheitlich ein derart geschmacksarmes Produkt, dass es dereinst, wenn die Fleischersatzforscher und -produzenten weitere Fortschritte machen, locker durch Tofu oder andere Substrate ersetzt werden kann; Hauptsache es hat ein bisschen Tandoori- oder Currysauce dran. Wobei das natürlich für die im Blitztempo vor sich hinwachsenden Masthybriden kein grosser Trost ist.
Was mich übrigens etwas wundert ist, dass sich Proviande nicht die Mühe nimmt, den Labelanteil auszuweisen, das scheint die Branche nach wie vor wenig zu interessieren. Wenn jemand dazu Zahlen hat, bin ich ein dankbarer Abnehmer. (Bild und Grafik Proviande)

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3 Antworten to “Importgüggeli fliegt dem Rind um die Karnivohren”

  1. Heidi Says:

    Vom Bibeli zum Schlachtpoulet in 30-40 Tagen, das ist der Züchtungserfolg! Auch ich habe recherchiert, niemand hat mir bisher Zahlen zum Label-Anteil liefern können. Mein Blick in die Kühlvitrinen der Grossverteilern lässt erahnen, dass vorwiegend SUISSE-GARANTIE-Pouletfleisch produziert wird. Was ich aber erfahren habe: KAGfreiland-Produzenten mästen langsam wachsende Rassen; die Tiere dürfen frühestens im Alter von 63 Tagen geschlachtet werden. Es sind die einzigen, die im Winter keine Poulets mästen, weil die Hühnchen dann meist im Stall bleiben und es keine echten Freiland-Poulets sind. KAGfreiland hat eine Übersicht über die Label-Anforderungen erstellt, siehe KAG-Magazin Februar 2011. Mein Fazit: Ich esse kein Pouletfleisch mehr, ausser KAG, und allgemein noch weniger Fleisch. Wer genau hinschaut, dem vergeht oft der Appetit!

  2. FischerIon Says:

    Vielleicht sollte man gegenüber dem Konsumenten auch einfach mal offen legen, dass sich im Mastfutter für Güggeli (und bei Eierlegern ebenso) ein substanzieller Anteil Fischmehl befindet. Und zwar genau DAS FIschmehl, welches in der Fischzucht für kontroverse Diskussionen sorgt.
    Wer sich darob etwas weniger enerviert als ich, soll mir doch bitte mal ein Filmli oder Föteli zeigen, auf welchem man zweifelsfrei erkennt, wie ein Huhn einen Pazifik-Hering fängt. Darauf warte ich schon länger. Erlöst mich bitte, jetzt!

  3. adriankrebs Says:

    Ja @Fischerlohn, auf dieses Föteli wirst Du lange warten müssen. Darüber würde ich mich jetzt nicht zu stark aufregen. Die Fischmehlverfütterung ist in welcher Branche auch immer nicht unproblematisch, deshalb wird auch das Hühnerfutter kontrovers diskutiert. Und danke für die Erängzungen, @Heidi. Habe nicht gewusst, dass KAG eine Lebensdauer-Untergrenze eingeführt hat. Eine Alternative für Dich vielleicht noch. Schweizer Suppenhuhnfleisch, in der süddeutschen Bio-Metzgerei erlegt und dann reimportiert: http://www.schweizerbauer.ch/htmls/artikel_19922.html. Ein Beitrag zum geschlossenen Kreislauf in der Eierproduktion. Gacker.

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