Oh Mali…

Keine Angst, bald kommt hier auch wieder einheimisches Schaffen zum Tragen. Aber jetzt ist noch einmal Afrika an die Reihe. Genauer Mali. Die Nachrichten aus dem westafrikanischen Land überschlagen sich dieser Tage. Putsch kurz vor der Präsidentschaftswahl, Eroberung von Städten im Norden durch Tuareg und islamistische Zellen, Machtübergabe der Putschisten an eine zivile Regierung, Unabhängigkeitserklärung der Eroberer im Norden. Die Details finden sich hier und hier.
Mir gehen diese Nachrichten recht nahe. Mali hat es mir angetan, als ich vor gut 5 Jahren dort als totaler Naseweiss ein knapp zweimonatiges Praktikum bei der Privatradiostation Kledu absolvierte (hier mein Web-Tagebuch). Es war eine enorm eindrückliche Zeit. Um soviel zu erleben brauche ich zu Hause normalerweise mehrere Jahre. Ich lernte beruflich und menschlich viel. Das Leben in Mali ist für die Leute dort kein Schleck, das Klima ist hammerhart (aktuell droht in der ganzen Sahelzone wegen fehlener Niederschläge eine Hungersnot) und die wirtschaftlichen Umstände für die grosse Mehrheit schwierig bis miserabel. Die jüngste Entwicklung wird daran gar nichts ändern, im Gegenteil, die politische Unruhe wird den Alltag weiter erschweren, die wenigen Investoren irritieren und potenzielle Geldgeber fernhalten. Manchmal fragt man sich schon, wie ein Land und seine Bewohner soviel Pech haben können. Aber die Leute die ich dort getroffen habe, waren nicht nur grossmehrheitlich sehr nett und hilfsbereit, sondern machten auch einen zähen Eindruck. Ich bin optimistisch, dass sie auch diesem Sturm irgendwie trotzen werden. Stürme gab es schon viele auf dem Gebiet des heutigen Mali, ein paar davon finden sich im interessanten Roman „Segu“ von Maryse Condé, der leider, so wies aussieht nur noch antiquarisch erhältlich ist.
Aus aktuellem Anlass habe ich noch einmal ein bisschen in den alten Fotos rumgestöbert, natürlich mit Suchkriterium Landwirtschaft. Das Bild oben zeigt einen Melker am Stadtrand der Hauptstadt Bamako. Zum Thema Milchwirtschaft möchte ich auf das Projekt Pro Milch Mali verweisen. Ein Schweizer Agronom und ein malinesischer Kollege produzieren Pastmilch, eine gute Sache und ein Beispiel dafür, dass es in aller Stagnation auch immer Bewegung gibt.
Typische Strassenszene in Bamako, der Kuhfreund kommt hier gut auf die Rechnung.
Die Kinder werden früh in den Arbeitsprozess integriert, diese jungen Fruchtkäuferinnen boten die Ware gemeinsam mit der Mutter an, was wohl aus ihnen geworden ist?
Ein Händler auf dem Viehmarkt in Kati, etwa 30 entfernt von der Hauptstadt. Mali ist ein hartes Pflaster für den Tierfreund und vor allem für das Vieh selber. Man geht hier unzimperlich um mit der Kreatur.
Seis bei der Haltung…
…seis beim Transport von Lebware…
…seis bei der Schlachtung (hier Poulets in Bamako)…
…oder seis bei der Präsentation im Geschäft.
Ein ländliches Ehepaar auf der Niger-Fähre in Ségou.
Fischerin in Mopti.
Ein Bub in Timbuktu vor einem der typischen Privat-Backöfen.

…und ja, davon wird es viel brauchen für die Malinais(es). Je vous souhaite bonne chance sur le chemin d’or!

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2 Antworten to “Oh Mali…”

  1. ruedibaumann Says:

    Ich bin beeindruckt! Ich war selber vor etwa 12 Jahren zusammen mit der aussenpolitischen Kommission des NR in Mali. Seither verfolge ich das Schicksal des armen Landes mit grossem Interesse. Ich kann nur sagen auch ich wünsche den liebenswürdigen Malinais(es) bonne chance sur le chemin d’or!
    RB

  2. Stephan Says:

    Hallo Lieber Bloger
    Gratuliere zum ausgezeichneten Text und vielen Dank für das Erwähnen unseres Projektes in Mali. Wir halten uns über Wasser und planen das Projekt weiter auszubauen. Ich bin mir sicher, dass wir persönlich in Kontakt waren, jedoch stürzte meine Hard Disk ab und ich verlor einen grossen Teil meiner Email Adressen. Ich würde mich freuen, wenn du mir zur Kontaktaufnahme ein kurzes Email auf wulliamden@gmx.net schreiben würdest.

    Lieber Gruss Stephan

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