MosCows(1): Langlebige Untergrund-Brigaden

Aus privatem Anlass hat es mich für ein paar Tage nach Moskau verschlagen. Seit ich 1985 das letzte Mal da war, hat sich die Stadt an der Oberfläche ziemlich rundum verändert. Im Untergrund aber ist fast alles beim Alten geblieben. Die Metro sieht praktisch unverändert aus – und das ist gut. Das Denkmal sozialistischer ÖV-Kultur ist alleine die Reise wert. Ab den 1930-er Jahren haben die Realsozialisten hier alles verbaut, was der Ostblock an Stil, Architektur und Rohstoffen hergab. Edle Materialien, schicke Details, zum Beispiel bei den Lampen und Dekorationen, die noch heute zum Staunen Anlass geben. Weil die verstaatlichte Landwirtschaft einer der Kernsektoren des angestrebten gesellschaftlichen Aufschwungs war, mangelt es natürlich nicht an agridealsozialistischen Sujets in den Metrostationen. Per Zufall war uns dieser Tage das Glück beschert, in der Nähe der Station Kievskaja zu wohnen (merci, Dänu!), die der heute nicht mehr soo warmen Freundschaft zwischen Russland und der Ukraine gewidmet ist. Diese ist die Hochburg der Untergrund-Landwirtschaftspropaganda. Ein besonders schönes Beispiel ist das obenstehende Mosaik namens „Traktornaja Brigada pervoj MTS“ (Traktorbrigade der ersten Traktor- und Maschinenstation). Ein paar Dutzend steile Rolltreppenmeter weiter oben dann ein weiterer Höhepunkt. Ein 360-Gradpanoramabild im runden Eingangsgebäude. Dort gibt es unter anderem eine prächtige behornte Kuh, die ich der geneigten Leserschaft nicht vorenthalten will (Suchbild, Vergrösserung hilft).
Das ist aber noch längst nicht alles, immerhin gibt es total 185 Stationen auf 12 Routen, die täglich gegem 9 Millionen Passagiere transportieren. Die zweitschönste Station, die ich gesehen habe, ist auch aus landwirtschaftlicher Sicht die Majkovskaja, die dem georgischen Dichter Wladimir Wladimirowitsch Majakowski gewidmet ist. Die zentrale Halle zwischen den Geleisen ist hier mit starken Deckenmosaiken, umrundet von einem Lampenkranz, geschmückt. Dort findet man zum Beispiel die unten abgebildete Mähdrescherfahrerin, aber punktuell hängt der Metro-Himmel auch voller Äpfel und anderer Landwirtschaftsprodukte. Da ich nicht ganz alle 185 Stationen geschafft habe, hat mir auch der prächtige Band Moscow Metro noch einige Perlen beschert, die ich mehr schlecht und recht aus dem Buch abfotografiert habe. Zum Beispiel das omnipräsente Getreidebündel, ideologiegemäss verziert mit der Sichel aus Hammer und Sichel.

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