MosCows(2): Mehr oder weniger super Märkte

Der Titel über der Mikroserie zu den leider schon wieder verstrichenen Tagen in Moskau ist ein leichter Etikettenschwindel. Ich habe in Russland keine einzige Kuh gesehen. Das einzige, was mir an Nutztieren zu Gesicht kam, waren zwei Pferde am Rande der Flughafenautobahn. Deshalb beschränke ich mich im zweiten und letzten Teil um die Lebensmittelbeschaffung in der Metropole mit mindestens 12 Millionen Einwohnern. Gegenüber den Zuständen, die ich 1985 angetroffen habe, hat sich die Versorgung enorm verbessert. Damals pflegten die Leute in jeder der endlosen Schlangen anzustehen, ohne zu wissen, was am Ende des Wartens auf sie warten würde. Aber man wusste genau, dass es etwas rares war, zum Beispiel Orangen oder Bananen. Heute gibt es in Moskau, wenn ich richtig geschaut habe, alles. Das Problem ist mehr, dass sich dies nicht alle leisten können. Während man früher Rubel en masse hatte und damit nichts kaufen konnte, ist das Einkaufserlebnis für die grosse Masse heute durch das Einkommen, es liegt bei 1500 Franken im Durchschnitt, limitiert. Das Preisniveau in Moskau unterscheidet sich nämlich vielerorts nicht gross von demjenigen in der Schweiz. Ja, es gibt sogar Orte, wo man eher mehr zahlt. Man nehme den Lebensmitteldetailisten Azbuka Vkusa („ABC des Geschmacks“). Dort kosten zum Beispiel Schweizer Käse deutlich mehr, als hierzulande: Der Emmentaler schlug dort mit rund 33 Franken pro Kilo zu Buche, der Gruyère  mit gar rund 60. Beide Produkte kosten in derselben Qualität hierzulande um die 25 Franken. Das Sortiment besteht weit darüber hinaus aus vorwiegend importierter und überteuerter, wenn auch sehr anmächelig präsentierter Ware. Nun ist es nicht so, dass es keine Alternativen gäbe. Den Märkten kommt bei der Versorgung eine grosse Bedeutung zu, auch wenn ich keine Prozentzahlen nennen kann. Der Dorogomilovskij Mart im Westen der Innenstadt ist einer der Grösseren, so habe ich mir sagen lassen. Das Angebot ist umfassend, wobei aber vom Pickles- über den Gemüse- bis zum Fleischhändler jeweils alle immer genau das gleiche anbieten. Neben den Märkten habe ich in den Quartieren, wo wir herumspaziert sind kaum gewerbliche Betriebe – also Bäckereien oder Metzgereien – gesehen. Soweit es diese gab in der Ära UdSSR sind sie nach dem Umbruch eingegangen. Das frei werdende Marktvolumen haben einerseits die erwähnten Detailhändler und andererseits Ketten wie zum Beispiel „Chleb (Brot) & Co“ übernommen. Wer es in die neue Weltordnung geschafft hat, sind die hunderten von Kleinstläden in den zahlreichen Unterführungen, wovon viele auch Lebensmittel verkaufen. An denen kommt keiner vorbei. Die Strassen sind derart breit und stark befahren, dass sich eine oberirdische Querung ohne Fussgängerstreifen leicht zum lebensgefährlichen Abenteuer entwickelt.

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