Ladenreportage: Überraschung in Altstetten

Als ich als junger Journalist bei der Schweizerischen Milchzeitung tätig war (heute heisst sie Alimenta), frönten wir öfters dem Genre der Ladenreportage. Das waren reklameträchtige Angelegenheiten. Man rückte das Geschäft ins beste Bild und erhielt dafür ein Inserat vom Erbauer der Theke und allerhand anderen Einrichtern. Einem solchen PR-Verdacht werde ich mich hier nicht aussetzen, die nun folgende Repo ist ebenso kommerziell werbefrei wie die anderen 482 Beiträge, die ich bisher hier publiziert habe. Ich hatte einfach Freude an diesem Laden, den ich letzte Woche entdeckte, weil dort von KAGfreiland ein neuer Hornkäse samt Milchproduzentin von einem Betrieb in Bachs vorgestellt wurde, worüber ich dann auch geschrieben habe. „Der Bioladen“ steht in Zürich-Altstetten, einem Quartier, das mir bisher nicht unbedingt durch besonders progressives Einkaufsverhalten aufgefallen wäre.
Pierre Moser ist aber schon länger an der Arbeit hier. Angefangen hat es vor 20 Jahren mit einem 3.-Welt-Laden. Mittlerweile ist daraus nach Umzug und Umbenennung ein stattlicher Bioladen geworden. Neben Geschäftsführer Pierre sind in der GmbH weitere 8 Leute tätig, darunter zwei Lernende und Anne-Marie Feuillet, die mir voller Begeisterung vom umfangreichen Sortiment erzählte. Dazu gehört zum Beispiel die offenbar sagenhafte Birenwegge des „Eigenbrötlers“, einem Luzerner Biobeck. Auf einer Fläche von 100 Quadratmetern verkaufen Moser und sein Team nicht nur Käse, Brot, Fleisch, Früchte, Gemüse und eine grosse Auswahl an Kolonialwaren und Halbfertigprodukten, sondern auch eine ganze Wand voll Bio-Kosmetika, Haushaltartikel und das nötige für die Putzerei. Der Laden ist hell und übersichtlich gestaltet, das Publikum im boomenden Viertel scheints zu honorieren, Pierre ist jedenfalls zuversichtlich, was die Zukunft angeht. Mit den 100 Quadratmetern verfüge man über die ideale Ladengrösse, meint er. Alle, die es grösser versucht hätten, seien gescheitert. Der „Vatter“-Biosupermarkt in Bern ist das klassische Beispiel dafür. In knapp 10 Jahren will die Stadt an der Altstetterstrasse, wo der Laden steht, eine sogenannte Fussgängerzone mit Tram einrichten. Leider haben die Zürcher Verkehrsplaner noch nicht begriffen, dass Fussgängerzone mit Tram nicht funktioniert, man schaue sich den Zürcher Limmatquai an. Aber dem „Bioladen“ wird dies unter dem Strich kaum schaden. Ich wünsche weiterhin florierenden Handel!

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