Zum 501. ein Stück rumänischer Alpkäse

Ich nehme ja bekanntlich jede Gelegenheit für ein Rumänien-Reisli wahr, und dank einer Serie, die demnächst in unserem Lokalressort startet, hat es mich zu Albi und Aneta Keller in Ibanesti (Judet Mures)verschlagen, mehr darüber demnächst in der NZZ. Natürlich ist dabei auch noch ein bisschen Blogstoff abgefallen. Kellers wohnen ja schon ziemlich abgelegen, aber gegen die Alp die wir besuchten, ist ihre Wohnlage im Täli wo Ceausescu einst Bären abknallte urban. Und es hat sich gelohnt, dorthin zu fahren. Erstens waren die Älpler, die wir dort antraffen extrem nett, was sich unter anderem in einer reichlichen und schmackhaften Verpflegung mit Polenta, überbacken mit Käse (Mamaliga cu brinza topita) und natürlich Schnaps äusserte. Zweitens war es extrem interessant zu sehen, wie man hier unter einfachsten Bedingungen auf geschätzten 1000 Metern Käse produziert. 
Hier stichwortartig die Daten: 80 Ziegen und 200 Schafe von insgesamt 45 Besitzern, Gesamtproduktion pro Jahr rund 3000 Kilo Caz dulce (süsser Käse), der aber eher säuerlich ist. Die Bauern bezahlen 60 Lei (rund 20 Franken) pro Tier und Jahr und erhalten dafür pro Schaf 11  und pro Geiss 20 Kilo Käse zurück, also fast die ganze Produktion. Den kleinen Rest verkauft der Pächter auf dem Markt, das Kilo zu 15 Lei, etwa fünf Franken. Dem Landeigentümer zahlt Ion, der Alppächter einen Zins von 80 Kilo Käse jährlich. Die Milch wird nicht erhitzt, sondern dreimal täglich frisch mit Lab von Lämmern versetzt, das sei besser als Kälberlab, sagte mir einer der fünf Hirten und Melker sagte. Die eingedickte Käsemasse wird dann nicht, wie in unseren Breitengraden üblich, mit der Harfe akurat in die richtige Korngrösse zerschnitten, sondern von Hand grob zerteilt und anschliessend mit einem Tüechli aus dem Kessi, der Budaca geholt. Anschliessend hebt der Käser die Masse in die Crinta, die Presswanne aus Föhrenholz. Die EU, so sagte Ion, sehe das Holzgerät nicht gerne und würde Inox vorziehen, aber das kümmert hier gefühlte 10 Lichtjahre von Brüssel entfernt niemanden wirklich. Aus der Käsemilch, der Sirte, wird zuerst Ziger hergestellt, den Rest kriegt das halbe Dutzend Hunde, das mit der Bewachung der Herde betraut ist. Diese ist hier nötiger als an vielen Orten. Die Region im tiefsten Siebenbürgen ist sehr reich an Bären. Diese seien allerdings zur Zeit mehr als ausgelastet mit dem Fressen der reifen Beeren, sagt Ion und zeigt mir wie zum Beweis einen Kübel voll von wunderschönen wilden Himbeeren, die die Hirten zwischen zwei Melk-/Käseschichten schnell eingesammelt haben. Gemolken wird übrigens von Hand in einem einfachen Melkstand in dem die Geissen und Schafe nicht fixiert werden.
Der letzte war übrigens der 500. Beitrag, danke Ihnen liebe Leserinnen und Leser für die nachhaltige Treue zu meinem Blog. Zur Feier des Runden gibt es wieder mal einen kleinen Wettbewerb. Die rührigen Hirten wollten mich natürlich nicht ziehen lassen, ohne mir ein grosses Stück Käse einzupacken. Das habe ich unterdessen über alle Grenzen geschmuggelt und biete es dem ersten/der ersten an, die mir sagen kann, was Geiss und Schaf auf rumänisch heisst. Viel Glück!

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3 Antworten to “Zum 501. ein Stück rumänischer Alpkäse”

  1. Heidi Says:

    Hier die Geiss: capră
    dann Schaf: oaie
    Als Zugabe
    Schafkäse: brânză de oaie
    Geisskäse: brânză de capră

    Grüsse Heidi

  2. adriankrebs Says:

    Gratuliere Heidi, dass Du so gur rumänisch kannst, hab ich gar nicht gewusst, brinza vine curind cu posta!

  3. Heidi Says:

    Ich wollte ja nur zu deinem Jubiläum eines von mir hinzufügen: 3. Wettbewerbgewinn bei Adi. Ich sag’s lieber auf Deutsch!
    Dank und Gruss
    Heidi

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