Ambrüf, bei den Königen des Wassers & des Weins

Das Wallis ist für mich wie eines dieser Länder, in die man schon lange will und es nie schafft. Dank zwei Terminen am gleichen Tag, der eine davon hier verarbeitet, kam ich unerwartet in den Genuss einer Reise hinter den Lötschberg, was ja heute dank dem neuen Basistunnel deutlich schneller geht als früher. Und es hat sich gelohnt, auch aus landwirtschaftlicher Sicht. Ein paar Dinge sind mir aufgefallen. Zu Beginn die intensive Bewässerung. Die erste sah ich im schmucken Städtchen Leuk, wo Reben aus vollen Rohren berieselt wurden (siehe Bild oben).
Später fuhr ich weiter nach Visperterminen, ebenfalls ein sehenswerter Ort mit einem intakten Kern, der wahrscheinlich auch dank bescheidenem Skigebiet nie verschandelt wurde. Auf der kurvenreichen Fahrt und im Dorf fiel mir auf, dass hier auf gut 1000 Metern sogar die Weiden und Mähwiesen bewässert werden und zwar mit fest installierten Leitungen. Dies ist für Schweizer Verhältnisse ziemlich aussergewöhnlich und hat mit zwei Dingen zu tun. Erstens ist das Wallis mit Wasser reich gesegnet. Wenn die Schweiz ein Wasserschloss ist, dann ist das Wallis der Krönungssaal. Zweitens ist das Klima praktisch mediterran, die Niederschlagsmenge ist nur rund halb so gross, wie in der „Üsserschwiz“ und die Temperaturen erlauben den Aprikosen- und Rebbau bis auf über 1000 Meter (siehe Bild rechts). Deshalb ist Visperterminen bekannt für Europas höchsten Rebberg, der mit der lokalen weissen Gebirgs-Sorte Heida (auch als Savagnin bekannt) bestockt ist, drum heisst es auch Heidadorf. Aufgefallen ist mir auch, dass die Walliser seit langem daran gewohnt sind, auch noch aus dem letzten Flecklein Erde das Maximum herauszuholen. Jedes Vorgärtchen wird mit Kartoffeln bepflanzt, zwischen den hübschen Holzhäusern mitten im Dorf findet man immer wieder Gemüsegärten und kleine Getreideflächen von 100 Quadratmetern am Steilhang sind keine Seltenheit, natürlich alles bewässert.
Zu guter Letzt möchte ich noch den Wallisern selber ein Kränzchen winden. In der Deutschschweiz haben sie ja ein bisschen den Ruf, knorrige Bergler im Dauer-Weissweinrausch zu sein, die mit denjenigen hinter dem Berg möglichst nichts zu tun haben möchten. Alle denen ich begegnet sind waren einfach nett und unkompliziert, es war ein schöner Tag. Ich komme wieder ambrüf (rauf, für Nicht-Walliserditsch-Kundige).

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