Wenig Grund zum Feiern nach Elefanten-Adoption

Vergangene Woche haben die australischen Regulierunsbehörden die zweitletzte Hürde für eine Elefanten-Adoption aus dem Weg geräumt. Das nun noch notwendige Plazet durch die chinesischen Behörden dürfte nur noch eine Formalität sein. Danach wird Glencore gemeinsam mit zwei kanadischen Partnern den Getreidehändler Viterra übernehmen können. Viterra ist im Handel und der Lagerung von Getreide, die rund zwei Drittel des Umsatzes von gut 8,3 Milliarden USD im vergangenen Jahr ausmachten, aber auch im Verkauf von landwirtschaftlichen Produktionsfaktoren wie Dünger und der Lebensmittelverarbeitung engagiert, also sehr vertikal entlang der ganzen Wertschöpfungskette.
Das verstärkte Engagement von Glencore (Umsatz 2011: 186 Milliarden USD) in der Landwirtschaft ist eine der strategischen Stossrichtungen von Konzernchef Glasenberg. In einer Medienmitteilung rühmt der Rohstoffhändler mit Sitz in Baar bei Zug voller Euphorie die positiven Perspektiven, die sich durch die Übernahme für die Bauern auf tun werden. Ich bin da weniger optimistisch. Grundsätzlich beobachte ich die Aktivität der Rohstoffhändler mit Argwohn. Ihr Geschäftskonzept ist die Ausbeutung von Rohstoffen auf Kosten der Bürger der betroffenen Länder (einmal abgesehen von einer dünnen Crème de la crème an der Spitze dieser Staaten). Der Wertschöpfungsanteil, der in diesen Ländern verbleibt ist minim, dafür die Umweltbelastung gigantisch. Ich bin mit vielen weit besser informierten Experten überzeugt, dass diese Firmen der Schweiz, wo viele von ihnen ihren Hauptsitz haben noch viele Probleme bescheren werden. Probleme, welche die Aber-Millionen von Steuereinnahmen in Zürichsee-Gemeinden wie Rüschlikon längerfristig in den Schatten stellen werden.
Warum sollten sich diese Gesellschaften in der Landwirtschaft anders verhalten? Ihre Präsenz deutet darauf hin, dass sie sich vom Engagement an der Scholle raschen Gewinn versprechen. Dieser wird nicht bei den Bauernfamilien, sondern in Baar in der Kasse klingeln. Das ist so sicher, wie das Amen in der Kirche. Möglicherweise werden einige Farmer dabei profitieren, aber mit Garantie wird eine grössere Zahl bei dieser Industrialisierungstendenz in der Landwirtschaft auf der Strecke bleiben. Schon heute sind viele von ihnen zu Angestellten von Glencore degradiert worden, bewirtschaftet das Unternehmen doch weltweit bereits 270 000 Hektaren selber.
Das grosse Problem ist, dass man Landwirtschaft nicht im gleichen Stil betreiben kann, wie das Banken- oder Rohstoffgeschäft. Es braucht ein langfristiges, nachhaltiges Engagement, das die Bodenfruchtbarkeit höher gewichtet, als das nächste Halbjahresergebnis. Diese Denkweise traue ich den Glencore-Managern nicht zu. (Bild WinterforceMedia)

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