Iowa-Zollikofen: Die Dürre und wir

Ein Farmer aus Illinois besichtigt die Schäden in seinem Maisfeld

Der amerikanische Corn-Belt wird derzeit von einer Dürre mit geradezu biblischen Ausmassen heimgesucht. Die Ernteausfälle im weltweit grösssten Mais- und Sojaanbaugebiet hatte bereits kräftige Auswirkungen auf die Weltmarktpreise der wichtigsten Futtergetreide. Wenn nicht alles täuscht, ist die Wasserkrise im amerikanischen Heartland erst ein Vorgeschmack auf die Auswirkungen des weltweiten Klimawandels. Die besten Anbaubedingungen wandern nach Norden, ohne dass dort genügend Fläche und Infrastruktur vorhanden wären, um die steigende Nachfrage für die Futterversorgung zu decken. Akzentuiert werden die Probleme durch die Konkurrenznachfrage für Ethanolproduktion – schon heute produzieren die USA mehr Mais für Biodiesel als für Futter – und durch das Mittmischeln von allerlei branchenfremden Spekulanten auf den landwirtschaftlichen Rohstoffmärkten.
Betroffen von dieser Entwicklung sind nicht nur die deutschen, sondern auch die Schweizer Bauern, namentlich die Milchproduzenten. Kurz- bis mittelfristig sind Preisaufschläge unumgänglich, die Müller werden nicht zögern, die höheren Einkaufspreise an die Bauern weiterzureichen. Damit wird die Marge der Bauern mit hohem Kraftfutteranteil weiter schrumpfen, auch weil die Verwerter dank Überproduktion, wie sie grad dieser Tage wieder unter Beweis gestellt haben, munter an der Preisschraube drehen können.
An sich sollte jetzt die Stunde derjenigen schlagen, die gerne das Wort für eine hohe Inlandproduktion führen, zum Beispiel SBV-Präsidiumskandidat Res Aebi jüngst im „Blick“ oder die versammelte SVP-Spitze an der kürzlich abgehaltenen Landgemeinde. Was läge jetzt näher, als die Milchbauern daran zu erinnern, dass die Schweiz ein Grasland ist? Dass dieser einheimische Rohstoff als einer der wenigen im Lande praktisch unbegrenzt vorhanden ist? Dass er die Abhängigkeit von den labilen Weltmärkten vermindern und die Kreisläufe schliessen hilft? Gleichzeitig würde man – ich habs hier schon öfter geschrieben – das Überproduktionsproblem und damit den Preisschwund bremsen und die Marge erhöhen.
Man wird aber vergeben warten auf solche Aufrufe. Zu sehr ist man auf die Hochleistungs-Milchkuh fixiert. Wer einen tiefer gelegten hochmotorisierten Schlitten fährt, wird auch nicht freiwillig auf einen Kleinwagen umsteigen, denn hier geht es um Emotionen und Statusdenken. Zudem ist die Futtermittelindustrie mit ihrem in Zollikofen angesiedelten Verband VSF fast so gut organisiert wie die Bauern und stark mit diesen verbandelt.
Freude machte mir da als kleine Ausnahme kürzlich die ebenfalls in Zollikofen angesiedelte IP Suisse, die im übrigens sehr interessanten NZZ-Folio über Soja(-produktion) – hier kann man alles nachlesen – ein Inserat für Wiesenmilch schaltete (siehe Bild unten). Die kriselnde Innovation konnte sich bis jetzt nicht durchsetzen, zu dicht ist der Labeldschungel und zu unterentwickelt das Bewusstsein der Konsumenten in Sachen Futtermittelhandel. Das wird sich ändern, ich bin überzeugt, dass diejenigen, die heute auf Wiesenmilch und entsprechende Genetik setzen längerfristig besser dastehen werden als ihre Kollegen, die sich mit namenloser Massenmilch im Wettbewerb mit Produzenten weltweit befinden, denen sie schon strukturell nie das Wasser werden reichen können. (Bild oben Bloomberg)
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