Schweinehalter am Rande des Subventionssumpfs

Dieser Tage habe ich ziemlich gestaunt: Die Schweineproduzenten fordern Soforthilfe vom Bund. Wie der Präsident der Branchenorganisation Suisseporcs,  Ulrico Feitknecht, in einem Interview mit dem „Schweizer Bauer“ erklärt hat, verursachen die steigenden Futterpreise im Dürresommer der Schweinebranche Zusatzkosten von 50 bis 60 Millionen Franken. Deshalb müsse der Staat nun die Soja verbilligen. Diese Forderung ist aus verschiedenen Gründen erstaunlich. Bisher waren die Schweinehalter immer stolz auf ihre Marktnähe. Der Schweinesektor ist kaum geschützt, einzig die Züchter von Jungschweinen, den sogenannten Jagern, leben noch auf einer Insel, ist doch deren Import verboten. Ganz anders sieht dies beim Fleisch aus, wo seit langem mit namhaften Importen gelebt werden muss. Die Schweinehalter, oder zumindest ein paar ihrer prominenten Exponenten, sahen sich bisher gerne als Epigonen einer von Väterchen Staat unahbhängigen Landwirtschaft und machten sich immer wieder mal stark für eine möglichst weitgehende Liberalisierung der Verhältnisse, inklusive Freihandel mit der EU.
Nun verlangt also die Suisseporcs eine Verbilligung von importierter Soja mit Hilfe von Futtermittelzöllen. Das zeigt, dass in der Branche einiger Leidednsdruck vorhanden ist. Ansonsten würde man sein Image wohl nicht so leichtfertig aufs Spiel setzen. Die Ausgangslage ist schwierig, denn anders als etwa die Mineralölbranche, die jede Zuckung des Preises auf die Kunden abwälzt oder der Schreiner, dessen Tisch bei hohen Holzpreisen teurer wird, kann die Landwirtschaft ihre Mehrkosten nicht abwälzen. Die Grossverteiler haben da bereits abgewinkt. Sie stehen wegen Einkaufstourismus selber unter Druck bei den Fleischpreisen.
Trotzdem hält sich mein Mitleid mit den Schweinehaltern in engen Grenzen. Die Bereitschaft des Detailhandels, inländisches Schweinefleisch abzusetzen ist gross. Die Fähigkeit der Produzenten dagegen, ihre Menge auf die Nachfrage abzustimmen, ist gering. Seit längerem leidet die Branche an struktureller Überproduktion. Systematischer Bestandesabbau wurde von den Verbandsgremien abgelehnt, man wolle keine Planwirtschaft, hiess es dazu vor einigen Monaten. Starke Preisschwankungen gab es schon früher, unter dem Titel Schweine-Zyklus. Doch die alte Regel, wonach die Produktion automatisch, wenn auch mit Verzögerung zurückgeht, wenn der Preis sinkt, funktioniert nicht mehr richtig.
Davon profitieren in erster Linie die grossen Futtermittelimporteure, die ungeachtet hoher Rohstoffpreise praktisch unverändert viel verdienen, da sie die höheren Getreidekosten an die Bauern exportieren. Diese Abhängigkeit könnten die Schweinehalter reduzieren, wenn sie vermehrt auf die Zusammenarbeit mit inländischen Getreideproduzenten setzen würden. Dann könnte man – ein schöner Nebeneffekt – das bisher mit Importsoja gemästete Säuli endlich mit gutem Gewissen als Schweizer Fleisch verkaufen. Diese Einsicht scheint sich auch beim Suisseporcs-Präsidenten durchzusetzen: „Wir überlegen uns, wie wir mittelfristig wenigstens einen Teil des Eiweisses mit Eiweisserbsen, Lupinen oder Ackerbohnen in der Schweiz produzieren könnten“, sagt er im erwähnten Interview. (Bild LID)  

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