Alpreportage(2&Saisonende): Res auf Chieneren

Zufälligerweise waren wir dieses Wochenende in Nidwalden. Einen idealeren Ort könnte man nicht auswählen, um das Ende der Alpsaison zu begehen. Dieser Minikanton besteht zu gefühlten 90 Prozent aus (Alp-)Weiden. Selbst im Hauptort Stans bimmelt hinter dem Turm der gross dimensionierten katholischen Kirche am Rathausplatz am Hang das Vieh mit seinen Glocken. Nach einem Kulturstück Käse der feinen Sorte (mehr dazu später in diesem Blog) fuhren wir dann am Sonntag aus der Nebelsuppe aufs Stanserhorn. Die neue Cabriobahn ist ein Reisli wert und der grosse Stolz der Stanser. Ziemlich spektakulär das Teil. Oben dann eine Art Minijungfraujoch mit bessererer Rundsicht. Stilecht finden ein paar Jodlerständli statt und das Restaurant ist wild auf Wild. Steile Treppen runter wandern wir Wirzweli zu. Durch sattgrüne Matten und einige Kuhherden bahnen wir uns den Weg. Der Hunger führt uns dann zum Glück auf Alp Chieneren (von Chie=Kühen auf Nidwaldnerisch). Inhaber und Käser Res Gut fabriziert hier aus der Milch von 160 Chie von acht Alpen im Sommer 30 Tonnen Käse. Und nicht irgendwelcher. Der Alpsbrinz ist dreijährig und von einer Qualiät, die man im Käseregal meistens vergebens sucht. Coop führt die harte Perle in seinem Slow-Food-Sortiment, siehe diesen zurecht schwärmerischen Artikel in der hauseigenen Zeitung. Wie gut gereift er ist, sieht man, wenn Res ein Stück abschneidet. Das braucht den vollen Körpereinsatz.
Vor drei Jahren hat Res beschlossen, die Käserei, die vorher von einem Angestellten geführt wurde, in eigene Hände zu nehmen. Die Qualität ist 1A, seis in festem oder geschmolzenen Zustand, wie uns der Bratchäs auf Brot im Gaumen bewies. Die 27 Kühe, die er im eigenen Stall versorgt, werden nun von einem Angestellten gemolken, die Milch der übrigen Alpen kommt per Kannen in die Käserei (Milchpreis 70 Rappen).
Die in der Käserei anfallende Molke fressen 130 Alpschweine, die sich teilweise gemütlich im Auslauf sonnen, an diesem schönen Sonntag. Für die Verwertung der Brosamen, die unter die Tischen des von einer sympathischen Angestellten (nach deren Name ich leider nicht gefragt habe) mit betreuten Alpbeizlis fallen, sind die frei zirkulierenden Hühner zuständig.
Der Alp-Sbrinz geht zu einem guten Teil an einen Händler, der wiederum Coop versorgt. Der Rest der Produktion geht in den Direktverkauf, zum Einheitspreis von 17 Franken, das geht einfacher zum Wägen. Die Bauern der Umgebung sind offensichtlich Stammkunden, zwei von ihnen decken sich während unserem Besuch gleich sackweise ein. Das ist immer ein gutes Zeichen.

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