Cheese-Awards: Vielfalt und Preis-Inflation

Am Freitag habe ich mich auf den Weg nach Bellinzona gemacht, nichts weniger als die Oscar-Night des Schweizer Käseschaffens war angesagt: Die Swiss Cheese Awards, ein Anlass der alle zwei Jahre stattfindet und dies bereits zum achten Mal. Leider hatte ich nur wenig Zeit, aber die paar Stunden waren intensiv. Es war eine eindrückliche Leistungsschau des Schweizer Käseschaffens mit viel positiven Eindrücken und ein paar Abstrichen. Aber der Reihe nach.
Auf der Piazza del sole unterhalb von einem der drei Stadtschlösser in der Tessiner Metropole herrschte am späteren Nachmittag reges Markttreiben. Die Vielfalt ist eindrücklich, Stand reiht sich an Stand, stellvertretend oben Seniorchef Hans Aschwanden von der gleichnamigen Bergkäserei in Seelisberg UR mit seiner Partnerin Vreni und unten (leider unscharf und mit unsichtbarem Angebot, wann kaufe ich endlich eine rechte Kamera?) meine alte Freundin und Ex-Chefin Claude Liengme und ihr Partner Hans-Peter Furrer, ein Gruyère-Crack aus Les Reussilles BE.
Mitten drin eine Bühne auf der eigentlich Landwirtschaftsminister Schneider-Ammann hätte referieren sollen, er schaffte es aber wegen einer Beerdigung nichts ins Tessin, weshalb der heimliche Landwirtschaftsminister Lehmann das Referat des Chefs verlas. Erster Abstrich: An einem Publikumsanlass sollte es nicht tönen, wie an der Versammlung eines Käservereins. Das ganze war zu technisch und die nicht fachkundige Besucherschar hätte man mit einem emotionalen Referat über den kulturellen Wert des Schweizer Käses wohl besser bedient. Aber die Musik war schön.
Später traf sich die versammelte Branche in einem eher trostlosen aber hübsch dekorierten Betonklotz zur Award-Night. Eine Jury aus mehreren Gruppen hatte am Tag zuvor nicht weniger als 714 Käse verkostet, ein schöner Beweis für den kulinarischen Reichtum im Käsebereich. Die Spannweite reichte in 27 Kategorien vom Emmentaler AOC via „übrige Alpkäse“ (vielleicht nicht grad der geglückteste Kategoriename, man stelle sich einen Oscar für „übrige Schauspieler“ vor), Blauschimmelkäse  bis zu den nicht mehr kategorisierbaren Innovationen. Es gab also nicht weniger als 27 Sieger auszuzeichnen. Das ist viel, es wäre ungerecht zu sagen zuviel, denn ein Hartkäse kann schlicht nicht mit einem Frischkäse verglichen werden. An einer Getränkedegustation vergleicht man schliesslich auch nicht Bordeaux mit saurem Most. Aber eben, 27 Gewinner gebührend zu würdigen, das braucht Können. Das ist aus meiner Sicht nicht ganz geglückt. Am Schluss war das Publikum derart ermüdet und hungrig, dass es kaum mehr einen rechten Applaus zu Stande brachte. Dem Vernehmen nach ist das jedesmal dasselbe, vielleicht könnte mans ja ein bisschen besser verteilen und dazwischen mal ein bisschen Käse servieren, zum Beispiel ein Teller mit ein paar Gewinnern drauf. Aber alles in allem: Chapeau Käsebranche.

 

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3 Antworten to “Cheese-Awards: Vielfalt und Preis-Inflation”

  1. Heidi Says:

    Gut, dass du so lange mit dem Kauf einer neuen Kamera gewartet hast, denn „Sony gelingt mit der DSC-RX1 das bislang Unmögliche: Eine Vollformatkamera in kompakter Form. Die neue Cyber-shot DSC-RX1 sucht auf dem Kameramarkt ihresgleichen, denn die Kombination aus Vollformatsensor, BIONZ Bildprozessor und lichtstarker Carl Zeiss Festbrennweite gibt es bislang kein zweites Mal auf dem Markt.“ Quasi die Leica von Sony! Auch preislich: CHF 3809.–. Qualität hat ihren Preis. Vielleicht gibt’s da oder dort Rabatt für tüchtige Journalisten.
    Vergiss nicht, von Anfang an einen Halteriemen zu kaufen, damit sie dir nicht wieder in den Rhein fällt, das wäre wirklich schade für dieses Modell.
    Grüsse aus den Bergen
    Heidi

  2. Karlheinz Zeiss Kleti Says:

    Ja, ich kann mich als begnadeter Fotoprofi meiner Vorrednerin nur vorbehaltlos und ganz anschliessen.
    Mit 3.5 KG und dazu 7 Objektiven à je 300 Gramm, das Dreibein, alles natürlich in einem handlichen, schlagfesten Voll-Kunststoffkoffer mit Ösensystem für Helikopterflüge gepackt, dazu den passenden Laptop für die Belichtungsmodi mit doppeltem Tragriemen und Akku-Station, ist man für jede Wanderung, auch im ÖV, gerüstet.
    Zudem, mit 3’809.– bereits 10 % günstiger als noch vor 3 Monaten und alles zusammen garantiert wasserdicht. Was will man mehr?

    Doch nicht etwa eine neue Nikon Coolpix L23 die in jede Hosentasche passt, in Vollausstattung 170 Gramm wiegt, jedes Bild professionel aussehen lässt und mit CHF 66.– auch mit 1/2 Tag singen am Paradeplatz zu finanzieren ist. Nein, nein, und nochmals nein!

  3. adriankrebs Says:

    Danke @Heidi und @Karlheinz für die wertvollen Ausrüstungstipps, das sind kurz zusammengefasst die Gründe, warum ich mich immer noch auf die Handykamera beschränke.

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