Giftige Sticheleien im Bienenhaus

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Manchmal finden sich die interessantesten Geschichten in den Leserbriefspalten. So konnte man in den letzten zwei „Bauernzeitungen“ einen hochinteressanten Imkerkonflikt verfolgen.
Im Land, wo der Honig fliesst herrscht schon lange nicht mehr nur eitel Sonnenschein. Seit Jahren kämpft die Branche gegen die Invasion der Varroamilben, die schon Hunderte von Bienenvölkern auf dem Gewissen haben. Genau darum, beziehungsweise um die Bekämpfungsmethoden dreht sich auch die erwähnte Kontroverse. In der Ausgabe vom 5. Oktober fährt Richard Wyss grobes Geschütz auf: der Chemieriese Bayer werbe „mit trügerischen Worten“ für seine Anti-Varroa-Produkte, schreibt er. Bayer trage mit dem Vertrieb der Neonicotinoide Bayvarol, Check-Mite plus und Perizin selber massiv zu Bienenverlusten bei und verschweige die Rückstände im Honig und die Resistenzbildung. Das sind ungewohnt harte Worte, zumal Wyss nicht irgendein Imker sondern der Zentralpräsident des Deutschschweizer Dachverbands (VDRB) ist. Dieser hat in der selben Bauernzeitung auch ein Inserat geschaltet (siehe unten), in dem die scharfe Kritik bekräftigt wird („So nicht, es genügt wenn die Agrochemie unsere Bienen auf Feldern vergiftet!“)
Die Replik eines Imkerkollegen folgte in der Ausgabe vom 12. Oktober auf den Fuss. Die Bayer-Medikamente dürfe man angesichts der strengen Zulassungsverfahren bedenkenlos benützen. Er selber habe damit wie zahlreiche Kollegen gute Erfahrungen gemacht. Dagegen kritisiert er den Einsatz von Ameisensäure, welche VDRB-Präsident Wyss in seinem Schreiben als Alternative propagiert. Damit quäle man die Bienen lediglich, schreibt Jakob Bringold aus dem solothurnischen Beinwil, der von Wyss auch eine Entschuldigung für seine Anschuldigungen verlangt. Dass die Produkte Rückstände hinterlassen, bestreitet er nicht, er deklariere sie aber klar.
Das Feuer im Dach des Bienenhauses ist für mich Ausdruck für die Verzweiflung und den Frust der Honigproduzenten. Chemikalienrückstände vertragen sich schlecht mit dem Image des Honigs als Ausgeburt des unversehrten Naturprodukts. Handkehrum wäre ohne chemische Keule, ob Bayer-Produkte oder Säure, wohl kaum mehr ein Bienenvolk am Leben. (Bild oben summ-summ.ch)

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