Das Alplamm und die gerufenen Geister

Man gönnt sich ja sonst nichts, also gabs gestern Lamm. Nicht irgendeines, sondern Alplamm aus dem heimischen Berggebiet. Die Koteletts, die sonst beim Grossverteiler eigentlich immer aus Ozeanien stammen, waren schön saftig und zart. Mit dem 2010 lancierten Projekt von Schafzuchtverband, Bauernverband und Migros soll der in früheren Jahren stockende Absatz für Schweizer Lamm verbessert werden. Offenbar erfolgreich, wie eine Medienmitteilung der drei Partner vom September jubiliert. Eine gefreute Sache also.
Beim Einkauf habe ich allerdings ein bisschen gestaunt: Alplamm ist in Aktion, läuft es trotzdem nicht so toll wie man kürzlich meldete? Oder ist es reine Naivität zu meinen, Verkaufsförderung via Aktion habe etwas mit Angebotsüberhang zu tun? Dieser Eindruck wird verstärkt beim Preisvergleich mit dem neuseeländischen Lammrack, also faktisch demselben Produkt, einfach dass das Teil noch nicht in Koteletts zerlegt ist. Das Schweizer Lamm, eine Spezialität in kleiner Auflage aus dem Berggebiet kostet Fr. 42.- pro Kilo, dasjenige aus Neuseeland Fr. 54.50, eine Preisdifferenz von über einem Viertel. Ich befürchte, dass dies mit Kostenwahrheit beim Transport weniger zu tun hat, als mit dem Fakt, dass die einheimischen Konsumenten das neuseeländische Schaf als einheimischer betrachten, denn das einheimische. Das müssen die Grossverteiler, die diese ozeanischen Geister gerufen haben, zum Teil auch auf die eigene Kappe nehmen. (Bild oben Alplamm)

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2 Antworten to “Das Alplamm und die gerufenen Geister”

  1. Heidi Says:

    Alplamm, das scheint mir eine gute Sache zu sein, vorausgesetzt, dass die Tiere auf der Alp nicht sich selbst überlassen sind, wie das vielerorts der Fall ist.
    Was mich nervt, das sind die Berg-Osterlämmer und -Gitzis, die Coop vor Ostern in den höchsten Tönen anpreist. Von der Bewegung in der frischen Bergluft können viele Berglämmer höchstens träumen, denn der Bergwinter ist lang. Bei einer Mastzeit von vier Monaten verbringen sie die meiste Zeit in dunklen Schafställe oder „ausrangierten“ Rindviehställen, selten sehen sie die Sonne. Auf die vielen eingeschlossenen Schafe aufmerksam gemacht hatte mich eine Bäuerin, welche ihre Schafe im Winter regelmässig ins Freie lässt, so gut es halt geht. Und ein landwirtschaftlicher Berater meinte einmal: „Während meiner Skiferien im Berggebiet sehe ich nie Schafe, obwohl es dort viele gibt. Wo sind sie?“

  2. Treset Says:

    Great story, thanks for sharing.

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