ChinAg daily(4): Mehr Brot für 1,3 Milliarden

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Zum Abschluss der Chinawoche ein paar Infos über die Landwirtschaft im Reich der Mitte. Vorausschicken muss man, dass es den chinesischen Bauern gelingt, die Bevölkerung von gut 1,3 Milliarden Menschen weitgehend selbst zu versorgen, das ist schon mal keine schlechte Leistung, wenn man bedenkt, dass die Bauern in den letzten 50 Jahren zwei komplette Systemwechsel zu verkraften hatten. Im Rahmen des desaströsen „Sprungs nach vorn“ 1958-61 und in den Jahren z uvor war die Zwangskollektivierung durchgesetzt worden, die massgeblich mitverantwortlich war für die opferreichste Hungernot der Menschheitsgeschichte. 20 Jahre später, nach Maos Ableben, gab das nun von Reformer Deng Xiaoping angeführte Regime einem Teil der Bauern ihr Land zurück. 2008 wurde die Reform ausgeweitet.
Die Rückkehr zum Unternehmer-Bauern hat sich wie erwähnt bewährt. Trotzdem ist die chinesische Landwirtschaft mit vielen Problemen konfrontiert, die zum Teil die gleichen sind, wie hierzulande. Namentlich der urbane Druck auf das Kulturland ist gross, alljährlich verliertdie Scholle gemäss diesem interessanten Artikel eine Fläche von einer Million Hektaren, das sind 1000 Quadratkilometer. Das mag bei der gesamten Grösse Chinas von über 9,5 Mio km2 bescheiden erscheinen, das Problem ist aber, dass sich die besten Ackerbaugebiete im dicht besiedelten Osten des Landes befinden. Trotz Direktzahlungen und Steuererlässen für die Bauern wächst die Einkommensdisparität von Stadt- und Landbevölkerung, was die Landflucht fördert, seit kurzem ist die städtische Bevölkerung grösser als die ländliche. Der markant verbesserte Lebensstandard der Bevölkerung hat den Fleischbedarf massiv ansteigen lassen, was dazu geführt hat, dass China unterdessen mit Abstand weltgrösster Sojaimporteur ist. Die nicht sonderlich schonende Tierhaltung leistet im Übrigen ihren wachsenden Beitrag an die vor allem von der Industrie und durch Privatverkehr verursachten Umweltprobleme. Die Qualität des knapper werdenden Wassers ist zum Teil so desaströs, dass der Einsatz in der in vielen Gebieten unerlässlichen Bewässerung nicht möglich ist. Vor diesem Hintergrund ist klar, warum sich chinesische Investoren vermehrt ausländisches Ackerland (Landgrabbing, z.B. in Afrika) unter den Nagel reissen, um so die wachsenden Konsumbedürfnisse der zahlenmässig relativ stabilen Bevölkerung zu decken. Der Kampf um das kultivierbare Land wird sich verschärfen, dass ist so sicher wie die Reisschale auf dem chinesischen Esstisch. (Bild The tenth dragon / Flickr)

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