Die wundersame Genesung des Milchmarkts

Milchmarkt im WinterSo schnell kann es gehen. Kaum hat im Land der Winter Einzug gehalten, präsentiert sich nicht nur die Landschaft zumindest im Gebirge im neuen Kleid, sondern auch der Milchmarkt. Offenbar übersteigt die Nachfrage mittlerweile das Angebot an Molkereimilch, laut dem Landwirtschaftlichen Informationsdienst bedingt durch einen Produktionsrückgang um lediglich 3 bis 5 Prozent gegenüber der Vorjahresperiode. Gründe dafür sind die mangelhafte Qualität des im Sommer eingebrachten Futters und die sinkende Kuhzahl, dies wiederum eine Reaktion auf die schrittweise abgebauten Preise seit der letzte Knappheit im Dürrejahr 2007, das auch den Schweizer Produzenten eine Hausse bescherte.
Die Folgen sind wie folgt: Die Bauern verlangen wenig überraschend nach einem höheren Milchpreis, gemäss der „Bauernzeitung“ um deren 5 Rappen. Die Chancen für eine Erhöhung scheinen aber gering. Derweil hat sich der Preis für sogenannte Spotmilch – also solche, die ausserhalb der Abnahmeverträge zwischen Produzentenorganisationen und Verarbeitern gehandelt wird – massiv erhöht, gemäss derselben Quelle um nicht weniger als 15 Rappen. Laut dem „Schweizer Bauer“ – der Artikel ist online leider nicht erhältlich – liefern die POs mittlerweile so wenig wie möglich im Vertragsrahmen, um daneben möglichst viel auf dem Spotmarkt zu verkaufen.
Die Entwicklung bestätigt ein paar alte Weisheiten:
1. Der Grat zwischen Über- und Unterproduktion ist schmal. Aus meiner Sicht sollte dies die Produzenten und ihre Organisationen in der Überzeugung bestärken, die Menge straffer zu kontrollieren und dabei enger zu kollaborieren.
2. Die Verarbeiter kaufen in der Knappheit lieber zu teure vertragslose Milch ein, um sich nicht längerfristig zu höheren Preisen zu verpflichten. Sie gehen, so nehme ich an, davon aus, dass spätestens das Frühjahr eine neue Milchschwemme bringen wird. Ob die Rechnung aufgeht, wird sich zeigen. Möglicherweise bleibt die Knappheit ein länger anhaltendes Phänomen, denn eine einmal gesenkte Kuhzahl lässt sich nicht so mir nichts, Dir nichts wieder eröhen.
3. Die Produzenten und ihre Organisationen geben relativ wenig auf Vertragstreue und pflegliche Beziehungen mit den Verarbeitern, sobald sie die Möglichkeit auf kurzfristigen Gewinn sehen. Natürlich habe ich Verständnis, dass jeder so viel wie möglich mit Spotmilch verdienen will. Allerdings dürfte man konsequenterweise beim nächsten Unterzug der Verarbeiter, er wird kommen, nicht allzu laut aufjaulen.
4. Trotz der verbesserten Marktsituation ist die Position der Branchenorganisation Milch nicht wirklich gefestigt worden. Der erfolgreiche Abbau des Butterbergs mittels Zwangsabgaben der Produzenten sei früher aus Produzentenhand deutlich günstiger bewerkstelligt worden, heisst es hinter vorgehaltener Hand. Und die Segmentierung, eines der Hauptinstrumente aus der BOM bewährt sich auch in der Knappheit nicht, weil die Verarbeiter den C-Milch-Anteil, also den Teil der Milch den sie unter dem Weltmarktpreis einkaufen, nach wie vor Aufrecht erhalten, dies, so heisst es im Artikel des LID, weil sie in den letzten Jahren Kanäle für Billigmilch-Verwertung aufgebaut haben, die sich nur mit Spottpreis-Rohstoff weiterhin bedienen lassen.
Bleibt zum Schluss noch eine Frage: Wer sitzt am Schluss mit abgesägten Hosen unter der Kuh? Auch wenn das Bild suggeriert, dass es der Bauer sein wird, möchte ich dafür noch nicht die Hand in die heisse Milch legen. (Bild LID)

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