Ein lernfähiger Detailhändler? Let’s hope so

What burgers have taught usAuf der britischen Insel ist der Rossfleisch-Skandal noch längst nicht verdaut. Als ich letztes Wochenende im englischen Nordosten in meinem Leibblatt blätterte, fand sich dort obenstehendes doppelseitiges Inserat vom Detailhändler Tesco, dem Marktleader in Grossbritannien sowie der Weltnummer drei hinter Walmart und Carrefour.
Tesco, wir erinnern uns, war von Anfang an betroffen, als im Januar in Irland die ersten Beefburger mit Pferdefleisch gefunden wurden. Das ist gegessen, interessant ist nun aber die Reaktion des Detailhändlers. In einem etwas länglichen aber bemerkenswerten Mea Culpa heisst es in dem Inserat unter anderem, man habe das Problem erkannt und „it has made us realise, we really do need to make it better. (…) We need to keep going, go further, move quicker.“ 
Nach dem Selbstbekenntnis folgen die selbst auferlegten, wenn auch unter Druck beschlossenen Konsequenzen auf den Fuss: „We know that the more we work with british farmers, the better. We’ve already made sure that all our beef is from the UK and Ireland.“ Tesco beschränkt sich also künftig auf Rindfleisch aus Grossbritannien und Irland und will diese Massnahme auch auf frisches Pouletfleisch ausdehnen, wie es in einem nächsten Inserat in der Sonntagspresse hiess. Ab Juli, so das Versprechen von Tesco, wird sämtliches Poulet von britischen Farmen stammen. Das Inserat endet mit drei weiteren bemerkenswerten Sätzen: „We are the biggest customer of UK agriculture, we need to be their biggest supporters too. This is it. We are changing.“
Ich bin immer vorsichtig, wenn die Detailhändler ihre PR-Maschinerien in Gang setzen und plötzlich medienwirksam die Bauernsame umarmen. Wer sich aber derart exponiert, wie Tesco hier, der wird sich von diesen Versprechen nicht ohne massiven Gesichtsverlust distanzieren können. Nachdem der sich brutalstens konkurrenzierende britische Detailhandel die Farmer in den letzten Jahren bis aufs Minimum und darunter geschröpft hat, ist Hoffnung erlaubt, dass das keine leeren Sprüche sind.
Insgesamt stehen die Selbstkritik  und das Bekenntnis des englischen Riesen zum heimischen Schaffen in wohltuendem Kontrast zur Reaktion der Schweizer Detailhändler auf den Pferdefleisch-Skandal. Coop, die eine Pferdefleisch-Lasagne aus dem Sortimennt nehmen musste beschränkte sich im Gefolge des Skandals auf das Lob der eigenen Kontrollen. Ein starkes Signal, wie es etwa der Verzicht auf verarbeitetes ausländisches Rindfleisch dargestellt hätte, blieb aus, von einer Ausdehnung auf das gesamte Sortiment inklusive Pouletfleisch gar nicht zu sprechen. Mindestens die Zeitungsinserate hätten wir gerne genommen.
Chicken are next 
    

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